Freitag, 14. Dezember 2018

Müllers Welt Amerika steht mit dem Rücken zur Wand

Die ökonomischen Spielräume der USA sind gering. Es gibt nur eine Hoffnung: mehr Globalisierung. Und falls nicht? Dann steht Amerika eine quälende wirtschaftliche Anpassung bevor - Jahre von Frust und Abstieg, wir kennen das aus Deutschland. Diskutieren Sie mit!

Eines vorweg: Amerikas Wirtschaft abschmieren zu sehen, ist wirklich kein Genuss, sondern eine Entwicklung, die mich besorgt und beunruhigt. Ich schreibe das so deutlich, weil ich auf meinen Artikel "Nach der Orgie", der im manager-magazin-Heft 11/2007 erschien, einige heftige Leserreaktionen bekommen habe.

Henrik Müller, geschäftsführender Redakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen
Der Tenor lautete, ich empfände wohl so etwas wie Schadenfreude (übrigens ein deutsches Lehnwort im Englischen). Außerdem würde ich nur mein altes Vorurteil pflegen, Europa sei besser als Amerika (was ich gar nicht glaube).

Mir liegt, ehrlich gesagt, nichts ferner als derlei Antiamerikanismus. Ich mag die USA und vor allem die Amerikaner, mit einigen bin ich seit Jahrzehnten eng befreundet. Wenn es der US-Wirtschaft schlecht geht, ist das eine schlimme Entwicklung. Schlimm für Amerika, unkomfortabel für den Rest der Welt.

Leider hat sich der US-Report aus dem November-Heft, so oberpessimistisch er damals daher gekommen sein mag, voll und ganz bestätigt. Ja, die Lage ist heute noch ernster, als ich damals erwartet hatte.

Und das Schlimmste ist: Amerika hat fast keine Bewegungsspielräume mehr.

Eine Volkswirtschaft, die halbwegs im Normalzustand ist, kann einen Abschwung abfedern, indem Bürger und Staat mehr Geld ausgeben. Die privaten Haushalte sparen etwas weniger und stabilisieren damit ihren Konsum. Der Finanzminister gibt mehr aus und erhöht vorübergehend die Neuverschuldung. Die Notenbank senkt die Zinsen und spornt ihrerseits die Bürger an, mehr Geld auszugeben.

In den USA sind derzeit alle drei Rezessionsdämpfer weitgehend funktionsunfähig.

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