Montag, 16. Juli 2018

Porsche/VW Freie Bahn für Wiedeking

Porsche hat sich in eine europäische Aktiengesellschaft umgewandelt. Die neue Holding umfasst das operative Geschäft sowie die Beteiligung an Volkswagen. Diese beträgt 31 Prozent und könnte nun weiter aufgestockt werden.

Stuttgart - Die Arbeitnehmervertreter von VW Börsen-Chart zeigen hatten diesen Schritt zu verhindern versucht, weil sie sich im Aufsichtsrat der Holding nach der erwarteten Übernahme von VW durch Porsche Börsen-Chart zeigen unterrepräsentiert fühlten. Ein Arbeitsgericht in Ludwigsburg bei Stuttgart hatte eine einstweilige Verfügung allerdings kürzlich abgelehnt.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat jetzt formal freie Bahn, den Anteil an VW weiter aufzustocken. Doch Konzernkreise hatten in den letzten Tagen wiederholt durchblicken lassen, dass man sich damit Zeit lassen werde. Auch hatte sich der Aufsichtsrat von Porsche nach Angaben eines Sprechers am Montag nicht mit dem Thema Aufstockung bei VW befasst. Porsche hat sich sowohl Optionen auf VW-Aktien gesichert als auch einen Kredit über zehn Milliarden Euro zusagen lassen, um gegebenenfalls die nötigen Aktien für die Mehrheit bei VW kaufen zu können.

Die Formalien sind erfüllt:
Mit der Aufstockung des VW-Anteils will sich Porsche allerdings noch Zeit lassen
Der Umwandlung in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) war die Ausgliederung des operativen Geschäfts der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG auf eine 100-prozentige Tochtergesellschaft vorausgegangen. Diese führt den Namen Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG weiter und baut die Sportwagen von Porsche.

Schon im Juli war Wendelin Wiedeking zum Vorstandsvorsitzenden und Holger Härter zum stellvertretenden Vorsitzenden der neuen Holding bestellt worden. Aufsichtsratschef ist Wolfgang Porsche, sein Stellvertreter der Betriebsratschef von Porsche, Uwe Hück. Beim Sportwagenbauer Porsche AG bleibt Wiedeking Vorstandschef und Härter Finanzchef.

Porsche hatte am Montag einen riesigen Vorsteuergewinn von fast sechs Milliarden Euro (Vorjahr 2,11 Mrd Euro) gemeldet. Hierzu hatten vor allem erfolgreiche Optionsgeschäfte mit VW-Aktien beigetragen, die allein 3,593 Milliarden Euro in die Kassen spülten. Der Konzern- Jahresüberschuss verdreifachte sich auf 4,242 Milliarden Euro (Vorjahr 1,393 Mrd Euro). Die Erlöse stiegen um drei Prozent auf rund 7,4 Milliarden Euro.

Ungeklärt ist weiter der Streit zwischen dem VW-Betriebsrat und den Porsche-Arbeitnehmervertretern. Wiedeking und Hück hatten vereinbart, dass im Aufsichtsrat der Holding nach einer Übernahme von VW jeweils drei Porsche- und drei VW-Arbeitnehmervertreter sitzen, obwohl die VW-Belegschaft um ein Mehrfaches größer ist. Hück hatte am Montag nach der Aufsichtsratssitzung ausdrücklich betont, dass sich alle Anteilseigner klar für die umstrittene Mitbestimmungsvereinbarung der Holding ausgesprochen hatten - also auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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