Freitag, 30. September 2016

Altersvorsorge "Wohn-Riester" kommt - aber langsam

Die Eigenheimzulage ist Geschichte, doch der Traum von den eigenen vier Wänden besteht fort. Schon längst wollte die Große Koalition mit einer erweiterten Riester-Rente den Bundesbürgern einen Ausgleich für die gestrichene Förderung verschaffen. Jetzt endlich scheint ein Ende des Streits über "Wohn-Riester" in Sicht.

Hamburg - Seit mittlerweile gut zwei Jahren ist die Eigenheimzulage Geschichte. Seitdem müssen alle Bauherren und Wohnungskäufer ohne die staatliche Förderung auskommen. Einer kauf- oder bauwilligen Familie mit Kind, die nach der alten Regelung Anspruch auf die Eigenheimzulage hatte, fehlen damit unter dem Strich rund 16.000 Euro staatliche Förderung - Geld, das in der Finanzierung einer selbstgenutzten Immobilie bislang eine wichtige Rolle spielte.

Sparen für das Eigenheim: Eigentlich sollte das schon längst auch über Riester-Produkte möglich sein. Die Regierungsparteien SPD und CDU waren sich aber in einer ganzen Reihe von Fragen noch nicht einig. Jetzt scheint ein Kompromiss in Sicht.
Weil die Große Koalition aber darum weiß, dass das Sparen für ein mietfreies Wohnen im Alter im Verständnis der Menschen hierzulande viel mit Altersvorsorge zu tun hat, haben CDU und SPD seinerzeit im Koalitionsvertrag eine Kompensation für die Eigenheimzulage versprochen: Riestern für das Eigenheim - kurz "Wohn-Riester". Ursprünglich wollte man damit zum 1. Januar 2007 starten.

Die Bauwirtschaft bekommt den Wegfall der Eigenheimzulage mittlerweile deutlich zu spüren. Jedenfalls macht sie die gestrichene Förderung neben der Mehrwertsteuererhöhung für den drastisch gesunkenen Wohnungsbau mitverantwortlich: 250.000 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland fertiggestellt, 200.000 sollen es nach Expertenschätzungen in diesem Jahr sein. Damit werden in keinem anderen europäischen Land so wenig Wohnungen gebaut wie in Deutschland, berichtet das Institut für Städtebau (IFS) in Berlin.

Die Politik müsse Privathaushalten dringend neue Anreize schaffen, drängelt der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und fordert deshalb bei "Wohn-Riester" mehr Tempo. Im Grundsatz sind sich CDU und SPD über die Einbeziehung der selbstgenutzten Immobilie in die Riester-Rente einig, nur über den Weg gibt es Streit.

PD: "Nachgelagerte Besteuerung unabdingbar"

Wer aktuell einen Riester-Vertrag bespart, erhält vom Staat eine Grundzulage von 114 Euro, im kommenden Jahr steigt sie auf 154 Euro. Die Kinderzulage beträgt 138 Euro und klettert analog auf 185 Euro. Für Kinder, die im kommenden Jahr geboren werden, ist eine Zulage von 300 Euro jährlich geplant - in trockenen Tüchern ist dieser erhöhte Betrag noch nicht. Die höchstmögliche Förderung erhält indes ohnehin nur, wer den maximalen eigenen Sparanteil aufbringt.

Klar ist, dass sich mit den Zulagen und womöglich zusätzlicher Steuerentlastung allein eine Immobilie nicht finanzieren lässt. Zudem stellt sich das Problem der Besteuerung. Sparbeiträge für einen Riester-Vertrag lassen sich bis zu einer bestimmten Höhe steuerlich geltend machen, dafür greift dann in der Auszahlungsphase im Alter die nachgelagerte Besteuerung. Und hier liegt der Kern der Auseinandersetzung zwischen SPD und CDU.

"Für die SPD ist die nachgelagerte Besteuerung und damit die Gleichrangigkeit zu den übrigen Riester-Produkten unabdingbar. Wir werden an der nachgelagerten Besteuerung festhalten", betont Hans-Ulrich Krüger (SPD), Mitglied des Finanzausschusses im Bundestag, im Gespräch mit manager-magazin.de. Die CDU würde auf die nachgelagerte Besteuerung bei "Wohn-Riester" am liebsten verzichten. Doch der Reihe nach.

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