Donnerstag, 21. Februar 2019

Energiepolitik Das Öl-Nadelöhr und die Gazprom-Armee

Der Ölpreis notiert bei knapp 100 Dollar - und könnte sich noch verdreifachen. Einen solchen Preisschock fürchtet Bundeswehr-Sicherheitsexperte Roland Kaestner für den Kriegsfall im Iran. Er fordert die Industriestaaten daher auf, ihre Abhängigkeit vom Öl deutlich zu reduzieren.

Hamburg - Die Straße von Hormus am Persischen Golf ist das Nadelöhr des Erdöltransports. Das schwarze Gold gelangt von dort in die ganze Welt, der Wasserstraße kommt daher nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sicherheitspolitisch eine hohe Bedeutung zu.

Ein Nadelöhr für Öltanker: Die Straße von Hormus
DER SPIEGEL
Ein Nadelöhr für Öltanker:
Die Straße von Hormus
Ein Anschlag auf einen der vielen Öltanker, die den teilweise engen Transportweg täglich passieren, oder die Blockade im Falle eines Angriffs der USA auf den Iran hätte daher extreme Folgen. "Bei einer Schließung der Straße von Hormus könnte sich der jetzt schon hohe Ölpreis mit einem Schlag noch mal verdreifachen", sagt Oberst Roland Kaestner, Fachmann für Sicherheitspolitik und Strategie der Bundeswehr.

Erst kürzlich haben iranische Revolutionswächter vor dem Hintergrund neuer Spannungen zwischen Iran und der USA solche Selbstmordanschläge im Persischen Golf angekündigt. "Das würde keine Volkswirtschaft der Welt unbeschadet überstehen", mahnt Kaestner: "Ölpreisschocks führen immer zu einem negativen Wirtschaftswachstum".

Kaestner konzentriert sich in seinem Vortrag mit der Fragestellung "Energiepolitik = Sicherheitspolitik?" vor dem Europäischen Finanz Forum in Hamburg auf die politische Bedeutung des Öls. Im momentanen Erdölzeitalter werden die Vorräte zwar noch einige Jahrzehnte reichen, "doch was die Fördermenge angeht, befinden wir uns spätestens im Jahr 2015 auf dem Höhepunkt - der Preis wird also weiter steigen", so Kaestner.

"Derzeit sind wir vor allem deshalb abhängig vom Öl, weil das Auto der Wachstumstreiber unserer Wirtschaft ist", sagt Kaestner. Etwa 60 Prozent des Öls fließen in den Transportbereich und nahezu der komplette Mehrbedarf der Zukunft wird vom Straßenverkehr verbraucht werden.

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