Montag, 23. Oktober 2017

Bertelsmann Der Stifter und der Staatsanwalt

Aufruhr in Gütersloh: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue gegen einen Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Damit gerät eine der einflussreichsten Denkfabriken des Landes in eine schwere Krise.

Hamburg - Die Ermittler kamen unangemeldet und ihr Besuch sorgte beim Medienkonzern Bertelsmann für einen derart heftigen Schock, dass er dem Management noch heute in den Knochen steckt.

Bertelsmann-Stiftung: Think Tank der Republik
Auf dem Gelände der Gütersloher Bertelsmann Stiftung, eigentlich einem betulichen Örtchen, an dem Wissenschaftler im Geiste des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn zu bewegenden Themen wie der "Gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen (CSR)" oder "Die frühkindliche Bildung" sinnieren, erscheinen urplötzlich Ermittlungsbeamte, präsentieren trocken einen Durchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft München, konfiszieren Aktenordner und ziehen mit ihrer Beute stolz von dannen.

So geschehen Mitte Juni und bis heute in den Medien unbekannt.

Die Aktion galt einer der einflussreichsten und mächtigsten Denkfabriken der Republik - einer Stiftung, die mit vielen ihrer bislang rund 500 Projekte die sozialen, wirtschaftlichen und ordnungspolitischen Aspekte des Gemeinwesens untersuchte. Die steuerlich begünstigte Gesellschaft, der Reinhard Mohn einst sein Kapital vermachte, ist auch Großaktionär der Bertelsmann AG: Sie hält 76,9 Prozent der Anteile des Milliardenkonzerns und wird von diesem alljährlich mit etwa 70 bis 75 Millionen Euro ausgestattet.

So viel Geld führt offenbar zu Begehrlichkeiten. In einer anonymen Anzeigen wird dem hoch dekorierten Stiftungsvorstand Professor Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld, seit vielen Jahren mit Liz und Brigitte Mohn im Vorstand der Bertelsmann Stiftung und weltweit anerkannter Wissenschaftler, unterstellt, er habe Stiftungsgelder zum eigenen Nutzen zweckentfremdet.

Die Anzeige kommt offenbar von einem Insider. Denn ihr wurden so handfeste Belege beigefügt, dass die Münchener Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue eingeleitet hat. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigt gegenüber manager-magazin.de den Untreueverdacht und den Durchsuchungsbeschluss. Weidenfeld, so heißt es bei Personen, die sich mit dem Fall beschäftigen, werde verdächtigt, die Bertelsmann Stiftung bei Spesenabrechnungen betrogen zu haben.

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