Montag, 17. Dezember 2018

Prozessauftakt Feuer frei auf Altana

Die Milliardenausschüttung nach dem Verkauf des Pharmageschäfts von Altana an Nycomed hat ein gerichtliches Nachspiel. Am Dienstag beginnt der Prozess des Umzugsunternehmers Klaus Zapf gegen den Chemiekonzern. Dabei bekommt der Altana-Aktionär Unterstützung von geheimnisvollen Helfern.

Hamburg - Susanne Klatten ist eine reiche Frau, die ihr Vermögen geschickt zu mehren weiß. Erst vor wenigen Monaten klingelte bei der Tochter des vor 25 Jahren verstorbenen Großindustriellen Herbert Quandt die Kasse - die 45-Jährige kassierte als Altana-Großaktionärin rund 2,4 Milliarden Euro Sonderdividende.

Lohnendes Geschäft:
Altana-Großaktionärin Klatten
Der Grund: Anfang Mai beschloss die Hauptversammlung des Chemiekonzerns , an dem Klatten 50,1 Prozent der Anteile hält, den Erlös aus dem Verkauf des Arzneigeschäfts komplett auszuschütten. Altana Börsen-Chart zeigen hatte die Pharmasparte zuvor für 4,7 Milliarden Euro an den von Finanzinvestoren kontrollierten dänischen Chemiekonzern Nycomed veräußert.

Für Klatten ein Grund zur Freude, sogar im doppelten Sinne. Denn während die Kleinanleger ihren Teil nach dem Halbeinkünfteverfahren versteuern mussten, konnte die Großaktionärin ihren Anteil der Milliardenausschüttung steuerfrei verbuchen. Genau das brachte viele Otto-Normal-Aktionäre auf die Palme: Sie fühlten sich benachteiligt. Bei den Hauptversammlungen im Dezember und Mai kritisierten sie, der Verkauf sei auf Klattens Bedürfnisse zugeschnitten.

Zwei Anlegern ging der Deal dermaßen gegen den Strich, dass sie vor Gericht zogen. Der Berliner Umzugsunternehmer Klaus Zapf ist einer von ihnen. Der Chef von Europas größter Umzugsfirma hat offenbar eine Leidenschaft für Klagen: Laut einem Arbeitspapier des Institute for Law and Finance (ILF) der Frankfurter Universität, das die Anfechtungsklagen in Deutschland von November 2005 bis Juni 2007 auswertete, landete Zapf auf dem zehnten Platz der "Top-20-Kläger" deutschlandweit. Für eine Stellungnahme war Zapf nicht zu erreichen.

Bei dem zweiten Altana-Kläger handelt es sich um das Unternehmen Pomoschnik Rabotajet (russisch: "Der Helfer arbeitet"). Ihrem Namen macht die GmbH alle Ehre, zumindest wenn es um Anfechtungsklagen geht: Diese werden von den Mitarbeitern offenbar äußerst fleißig bearbeitet. Auf der ILF-Rangliste nimmt die Gesellschaft mit 17 Klagen den siebten Platz der streitlustigsten Kläger ein. Der Inhaber der Pomoschnik Rabotajet: Klaus Zapf.

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