Samstag, 23. Juni 2018

FC St. Pauli Bier, Bratwurst und Séparées

2. Teil: Schwarzhändler haben keine Chance

Schwarzhändler haben keine Chance

Die Schwierigkeit, den Ansprüchen des Profifußballs auch im Umfeld gerecht zu werden, ohne treue Fans zu vergraulen und die Marke des Vereins aufs Spiel zu setzen, zeigt sich momentan auch beim FC St. Pauli. Der Club ist bekannt für seine ideenreichen und kritischen Anhänger, für die Kommerz zumeist ein Schimpfwort ist. Cheerleader, Maskottchen und Animationsspielchen gibt es dort nicht.

5,5 Millionen Euro Zuschuss:
St. Paulis Präsident Littmann (li.) und Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust
Schwarzhändler, die versuchen, für wichtige Spiele am ausverkauften Millerntor den zigfachen Preis einzustreichen, werden von den Fans schon mal mit großen Papppfeilen und ironischen Gesängen wie "Er will nur 100 Euro" des Vorplatzes verwiesen. Erlaubt ist hier – egal ob der Gegner Burghausen oder Bayern heißt – nur der normale Preis für die Karte, als kleiner Bonus gestattet sind lediglich Bier plus Bratwurst.

Doch nun geht es um mehr beim FC St. Pauli, einem Verein, der noch nie Deutscher Meister oder Pokalsieger wurde und trotzdem eine treue Anhängerschaft hat. Nach vier Jahren in der oft trostlosen Regionalliga gelang der Aufstieg in die Zweite Bundesliga – statt Ahlen oder Emden erwartet der Hamburger Stadtteilclub nun Traditionsvereine aus Köln, Kaiserslautern oder Mönchengladbach.

Mit der sportlichen Leistung allein war es jedoch nicht getan. Die Auflagen für den Profifußball sehen ein modernes Stadion vor, das Millerntor galt jedoch schon vor Jahren als marode, wird aber gerade deshalb von den heimischen Fans heiß geliebt. Doch jedem ist klar, dass es auf Dauer so romantisch nicht weitergehen kann, eine neue Spielstätte muss her.

Präsident Corny Littmann, im Hauptberuf Theaterbesitzer, ging das lang diskutierte Projekt ernsthaft an und nutzte seine guten Verbindungen in die Politik. Der Traum des Hamburger Senats, einmal die Olympischen Sommerspiele an die Elbe zu holen, machte vieles einfacher, denn ein zweites modernes Stadion würde einer Bewerbung der Hansestadt gut zu Gesicht stehen. Der Zuschuss der Stadt Hamburg belief sich auf 5,5 Millionen Euro.

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