Mittwoch, 14. November 2018

Vor 30 Jahren RAF ermordet Jürgen Ponto

30 Jahre ist es her, dass der Bankier Jürgen Ponto in seinem Haus mit fünf Pistolenschüssen von Mitgliedern der RAF, darunter Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt, ermordet wurde.

Frankfurt am Main - Die Mörder waren gut angezogen, brachten Blumen mit und klingelten wie normale Besucher. Susanne Albrecht, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar haben an diesem 30. Juli 1977 keine Probleme, auf das Grundstück von Bankier Jürgen Ponto in Oberursel bei Frankfurt am Main zu kommen. Immerhin ist Albrecht eine Freundin der Familie. Doch der vermeintlich harmlose Besuch am Nachmittag endet für Ponto tödlich: Der 53-Jährige wird mit fünf Pistolenschüssen niedergestreckt.

RAF-Opfer Ponto: Der damalige Chef der Dresdner Bank wurde mit 53 Jahren ermordet
Die Bluttat gehört zu einer beispiellosen Anschlagserie der Roten-Armee-Fraktion (RAF) auf führende Vertreter von Justiz und Wirtschaft. Später wird diese Zeit der "Deutsche Herbst" genannt. Sie ist der Höhepunkt des RAF-Terrorismus in der Bundesrepublik.

Nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback zu Ostern und dem Anschlag auf Ponto folgt im Herbst die Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Nach dem misslungenen Versuch einer Palästinensergruppe, mit der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" RAF-Terroristen freizupressen, begehen die Inhaftierten Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe Selbstmord. Der Deutsche Herbst ist vorbei, doch die RAF mordet bis in die 90er Jahre weiter.

Der Schock, der nach dem Ponto-Mord Westdeutschland erfasst, ist immens - vergleichbar mit der weltweiten Erschütterung vom 11. September 2001. Die Trauerfeier am 5. August 1977 in der Frankfurter Paulskirche gleicht einem Staatsakt, zu der die gesamte Staatsspitze erscheint. Mitarbeiter ziehen in einem Schweigemarsch durch die Stadt.

Die Mörder kamen mit Blumen: Die Bluttat im Hause Ponto gehört zu einer beispiellosen Anschlagserie der RAF auf führende Vertreter von Justiz und Wirtschaft
Der Lebenslauf Pontos war geradlinig: Nach der Schule wurde der damals 19-Jährige als Panzerjäger der Wehrmacht in Stalingrad schwer verwundet. Zur Dresdner Bank kam er 1950 während seines Rechtsreferendariates. Bis 1959 brachte er es bereits zum Chefsyndikus in Hamburg, ab 1966 war er Vorstandsmitglied. Schon ein Jahr später wurde er mit 44 Jahren Vorstandssprecher.

1950 heiratete Ponto die Pianistin Ignes von Huelsen. Aus der Ehe gingen Sohn Stephan und Tochter Corinna hervor. Der Mord an ihrem Vater lässt sie bis heute nicht los. "Man könnte von Christian Klar etwas weniger PR-Netzwerk erwarten oder von den Tätern zum Beispiel mal ein Bekennerschreiben zu diesem Rechtsstaat, dem sie lebenslange Unterstützung zu verdanken haben", sagte Ponto anlässlich des Todestages ihres Vaters der "Welt am Sonntag".

Sie habe gelernt zu akzeptieren, dass die Täter eine zweite Chance bekämen, sagte Ponto. Betroffen hätten sie aber die Angriffe auf Bundespräsident Horst Köhler gemacht, weil er ein Gnadengesuch des Ex-RAF-Terroristen Christian Klar auf vorzeitige Entlassung ablehnte. "Es ist kein rächender Staat, der einen Mörder nach der Verbüßung der Mindeststrafe entlässt, sondern es ist ein um Gerechtigkeit bemühter Staat", so Ponto weiter.

Im April hatte Corinna Ponto in einem Beitrag für den "Stern" den ehemaligen Terroristen vorgeworfen, mit ihrem Schweigen dazu beizutragen, "dass wir in diesem Aufklärungsnebel stecken". Der nächsten Generation müsse die Wahrheit über die Zeit des Terrors in Deutschland gesagt werden.

Ponto-Beerdigung: Jürgen Pontos Tochter Corinna fordert anlässlich des Todesratges ihres Vaters von von Christian Klar "etwas weniger PR-Netzwerk"
Ganz aufgeklärt wurde der Mord an Ponto wie viele RAF-Taten tatsächlich nicht: Anfangs gingen die Ermittler davon aus, dass es sich um einen Entführungsversuch handelte. Später sagte Albrecht aus, dass Klar absichtlich auf Ponto im Speisezimmer geschossen und es kein Gerangel gegeben habe.

Von den drei direkt beteiligten Tätern sitzt nur noch einer bis heute in Haft: Klar muss mindestens bis Anfang 2009 hinter Gittern bleiben. Ende April setzte er vor dem Landgericht Karlsruhe Hafterleichterungen durch, die ihn auf die Freilassung vorbereiten sollen. Mohnhaupt wurde bereits im März nach 24 Jahren in Haft entlassen. Wo sie jetzt wohnt, ist unbekannt.

Über Albrecht entbrannte erst kürzlich eine Diskussion in Bremen: Sie wurde 1991 zu zwölf Jahren Haft verurteilt und 1996 auf Bewährung entlassen. Schon seit den 1990ern gibt die Pädagogin in der Hansestadt Sprachunterricht für Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen. Die Beschäftigung wurde aber erst Anfang Mai bekannt, worauf aus der CDU heftige Kritik kam. Doch der Elternbeirat sprach sich trotz ihrer Vergangenheit einstimmig für Albrecht aus. Für Bildungssenator Willi Lemke ist der Fall damit erledigt.

Thomas Seythal, ap

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