Samstag, 17. November 2018

Von Axa bis Stadler Die Nebeneinkünfte des Friedrich Merz

Dass Abgeordnete im Bundestag Nebeneinkünfte beziehen, war bekannt. Wie viel Geld pro Kopf zusammenkommt, steht nun sogar auf der Bundestag-Website. Oder nicht? Die Summen sind bürokratisch verklausuliert und mit Kappungsregeln versehen. Am Beispiel von Friedrich Merz zeigt manager-magazin.de, wie stark die vagen Angaben von den realen Zahlen abweichen.

Hamburg/Berlin - Er wurde vor einigen Jahren bereits als Finanzminister gehandelt, später auch als möglicher Aufsichtsratschef der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen und eine zeitlang spekulierte das politische Berlin sogar darauf, dass das CDU-Mitglied Friedrich Merz gute Wahlchancen habe, wenn er eine eigene Partei gründen würde.

Heute verfügt der 51-jährige dreifache Familienvater aus Brilon zwar noch über ein Bundestagsmandat, steht aber nicht mehr in vorderster Reihe. Viel Zeit investiert er in seine Aufgaben als Anwalt bei der Sozietät Mayer, Brown, Rowe & Maw, die in Deutschland Büros in Frankfurt am Main und Berlin unterhält.

Sieben Posten in Deutschland, einen in der Schweiz

Und Merz sitzt auch in sieben Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräten deutscher Unternehmen, dazu ist er bei der Schweizer Familien-AG Stadler Rail in Diensten. Diese Ämter finden sich auch in den Veröffentlichungen des Bundestags über die Nebeneinkünfte seiner 613 Mitglieder (www.bundestag.de). Zu den Vergütungen, die Merz erhält, wird hier allerdings nur bemerkt, dass seine Posten mit mehr als 7000 Euro im Jahr dotiert sind ("Stufe 3"). Die Frage, wie viel mehr Merz pro Posten tatsächlich erhält, bleibt offen.

Klage verloren: Merz wollte verhindern, dass das Bundesverfassungsgericht anordnet, Parlamentarier-Bezüge zu veröffentlichen - dabei sind viele Summen ohnehin schon bekannt
Dabei weist beispielsweise die Deutsche Börse in ihrem öffentlich zugänglichen Geschäftsbericht 2006 eine Summe von 100.000 Euro aus, die an Merz für sein AR-Mandat gezahlt wurden. Auch andere börsennotierte Gesellschaften dokumentieren die Summen, die Merz erhielt, auf den Cent genau. manager-magazin.de recherchierte auch die Dotierungen der Ämter von Merz, zu denen (außer für Finanzbeamte) für gewöhnlich keine offiziellen Angaben erhältlich sind (siehe Fotostrecke). Für seine Tätigkeit in der Anwaltskanzlei dürfte Merz jährlich eine nette sechsstellige Summe einstreichen.

Für das Jahr 2006 ergibt sich abseits des Anwalts-Salärs bei vorsichtiger Schätzung ein Nebeneinkünfte-Betrag von einer Viertelmillion Euro für Merz. Auf Anfrage erklärte er dazu: "Kein Kommentar".

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