Dienstag, 6. Dezember 2016

Asien-Krise Als die Tiger stürzten

Vor zehn Jahren brach die Wirtschaft mehrerer ostasiatischer Länder zusammen. Die betroffenen Länder haben sich bis heute nicht völlig erholt. Ökonomen rätseln noch über die Gründe. An den Finanzmärkten geht die Angst vor einer Wiederholung um.

Hamburg - Nicht jedes Jubiläum ist ein Grund zum Feiern. Vor zehn Jahren begann in Thailand die Asien-Krise, der größte wirtschaftliche Zusammenbruch der jüngeren Zeit.

Hilflos und überrascht: Die Asien-Krise traf die hochgelobten Tigerstaaten unvorbereitet
Nach massiver Kapitalflucht internationaler Investoren sah sich die thailändische Regierung am 2. Juli 1997 gezwungen, den Wechselkurs der Landeswährung Baht, die bis dahin fest an den Dollar gebunden war, freizugeben. Es folgte eine deutliche Abwertung, woraufhin etliche Banken und Unternehmen ihre Schulden in Dollar nicht mehr bedienen konnten. Firmen bis hin zu großen Konzernen gingen in Konkurs, Sparer verloren ihr Vermögen.

Die Krise erwies sich als ansteckend: Das Muster wiederholte sich in anderen asiatischen Ländern, die eben noch als Globalisierungswunder gegolten hatten. Philippinen, Malaysia, Südkorea, Indonesien - die Tigerstaaten fielen im Laufe weniger Monate um wie Dominosteine.

Die OECD diskutierte gar, das gerade erst in den Club der Reichen aufgenommene Südkorea umgehend wieder formell auszuschließen. In Dollar umgerechnet, fiel das südkoreanische Bruttoinlandsprodukt 1998 um 41 Prozent. Die Leistung der indonesischen Wirtschaft ging sogar um 60 Prozent zurück. Bruttoinlandsprodukt und Aktienmarkt der am schwersten betroffenen Länder haben bis heute noch nicht wieder das Niveau der Zeit vor der Krise erreicht.

Dass die Börsen von Bangkok, Seoul und Singapur zusammenbrachen, gehörte noch zu den geringsten Folgen. Massenarmut breitete sich in den - ohnehin nicht vom Wohlstand verwöhnten - Ländern aus. Indonesien verabschiedete sich unter blutigen Krawallen mit Tausenden Toten von der Suharto-Diktatur.

Die Kettenreaktion reichte weit über den Kontinent hinaus: Der Ölpreis brach ein und riss die russische Wirtschaft ebenso wie mehrere osteuropäische Länder mit sich. Lateinamerika litt darunter, dass Anleger bei Investments in Schwellenländern generell vorsichtig wurden. In all diesen Ländern war die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) empfohlene Strategie, Handel und Kapitalverkehr freizugeben und gleichzeitig die Währung zu stabilisieren, nicht mehr zu halten.

Immerhin blieb die von manchen erwartete Weltwirtschaftskrise aus. Die Industrieländer mussten nur einen kurzfristigen Rückgang der Wachstumsraten und einen Mini-Crash an der Wall Street verkraften.

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