Sonntag, 23. September 2018

Übernahmen Rotes Geld - böses Geld?

4. Teil: Globale Geldströme kaum kontrollierbar

"Staaten verändern ihr Gesicht"

Doch eine Abwehrschlacht produziert Verlierer. Sich gegen nicht genehme Staatsformen und deren Sovereign Wealth Funds mithilfe von Beteiligungsbarrieren abzuschotten, ist nach Ansicht von Werner Suhl der falsche Weg.

Man kennt sich, man beteiligt sich: An dem Gemeinschaftsunternehmen für den Bau einer Gaspipeline durch die Ostsee ist die russische Gazprom mit 51 Prozent beteiligt, die deutschen Partner BASF und Eon halten je 24,5 Prozent.
Wintershall, 2005
Man kennt sich, man beteiligt sich: An dem Gemeinschaftsunternehmen für den Bau einer Gaspipeline durch die Ostsee ist die russische Gazprom mit 51 Prozent beteiligt, die deutschen Partner BASF und Eon halten je 24,5 Prozent.
"Deutschland profitiert seit Jahrzehnten von offenen Märkten, und deutsche Unternehmen halten selbst viele Beteiligungen im Ausland", sagt der Leiter des M&A-Bereichs bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Deutschland treibe regen Handel mit Ländern wie Russland oder China - diese Handelsbeziehungen auch mit Beteiligungen zu unterlegen, sei ein weiterer logischer Schritt.

Suhl hält es für schwierig, einzelne Staaten in "erwünschte" und "unerwünschte" Investoren zu klassifizieren. Nach welchen Kriterien sollten zum Beispiel staatliche Investmentgesellschaften aus China oder Russland nicht genehm sein, Fonds aus wohlhabenden Ölstaaten wie Dubai oder den Arabischen Emiraten aber doch? "Staaten verändern zudem rasch ihr Gesicht", ergänzt Suhl. Ein Regelwerk, das Beteiligungen erschweren soll, müsste je nach politischer Entwicklung laufend überprüft werden.

Globale Geldströme kaum zu kontrollieren

Das entscheidende Hindernis sieht der Experte von PwC darin, dass Geldströme und Beteiligungen in der Praxis nur noch schwer nachzuvollziehen, geschweige denn zu lenken sind. "China hat sich an der Beteiligungsgesellschaft Blackstone beteiligt und ist damit bereits mittelbar an diversen Unternehmen beteiligt. Diese indirekten Kapitalströme lassen sich nur mit sehr hohem Aufwand kontrollieren", sagt Suhl. Ähnlich sehe es aus, wenn ein Staatsfonds mehrere Personen oder Gesellschaften als Anteilseigner vorschalte und seinen Einfluss über mehrere Stufen aus dem Hintergrund ausübe.

PwC-Partner Werner Suhl: "Das Thema Abschottung bekommt man nicht mehr in den Griff"
"Beteiligungsverhältnisse können sehr komplex werden, sodass sie in der Praxis kaum mehr zu überwachen sind", meint Suhl. Ein Kontrollreglement, das mit dieser Entwicklung Schritt halten und sämtliche möglichen Umgehungstatbestände mit berücksichtigen solle, dürfte über das Ziel hinausschießen. Deutschland liefe Gefahr, einen Schutz- und Kontrollapparat zu errichten, der die eigenen wirtschaftlichen Interessen beschränke. "Das Thema Abschottung bekommt man dann nicht mehr in den Griff."

Der Beteiligungsexperte von PwC setzt dagegen auf den umgekehrten Weg: Statt Ländern wie Frankreich oder Spanien nachzueifern, solle Deutschland besser darauf drängen, dass die EU beim Thema Beteiligungen und Übernahmen eine gemeinsame Linie findet. Dann könne die EU auch konsequent gegenüber anderen Staaten auftreten und den Abbau von Handelshemmnissen fordern.

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