Montag, 19. November 2018

Auswanderung Tschüss Deutschland!

Im vergangenen Jahr haben so viele Deutsche ihrer Heimat den Rücken gekehrt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Auswanderer stieg auf 155.000, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das waren 10.000 Personen oder 7 Prozent mehr als 2005.

Berlin - Beliebteste Zielländer waren erneut die Schweiz, USA und Österreich. Insgesamt zog Deutschland aber immer noch mehr Menschen an: Der so genannte Wanderungsgewinn fiel mit 23.000 aber um rund 70 Prozent niedriger aus als 2005, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch weiter mit

Wegen des drohenden Mangels an Fachkräften sprach sich das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für eine leichtere Zuwanderung qualifizierter Ausländer aus. "Ich weiß, dass sich die Bundesregierung mit dem Thema schwer tut, aber ich halte eine weitere Öffnung des Arbeitsmarktes für unvermeidlich", sagte IW-Direktor Michael Hüther dem Unternehmermagazin "ProFirma". Der Fachkräftemangel in gewerblichen Berufen habe zur Folge, dass Betriebe nicht weiter expandieren könnten. Die aktuell 50.000 unbesetzten Ingenieursstellen hätten einen direkten Wertschöpfungsverlust von 3,5 Milliarden Euro zur Folge.

Tschüss: Immer mehr Menschen verlassen Deutschland
[M] DDP ; mm.de
Tschüss: Immer mehr Menschen verlassen Deutschland
Auch das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit befürwortet die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Der Zuzug von Hochqualifizierten begünstige Innovationen, hieß es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Das Wissen und die Fähigkeiten von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund ergänzen sich bei Forschung und Entwicklung", sagte IAB-Forscherin Annekatrin Niebuhr. Deutschland könne wie andere Einwanderungsländer nicht unerheblich von der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte profitieren.

Ost-West-Wanderung bleibt stark

Ins Ausland zog es im vorigen Jahr allein 143.000 Deutsche aus den alten Bundesländern und Berlin. Dagegen suchten nur 12.000 Einwohner aus Ostdeutschland ihr Glück in fremden Gefilden. Gleichzeitig zogen 136.000 Personen aus den neuen in die alten Bundesländer. 82.000 wählten die umgekehrte Richtung.

"Damit blieb die Wanderung von Ost- nach Westdeutschland nahezu konstant", hieß es. Die West-Ost-Wanderung schwächte sich dagegen ab.

Unter dem Strich verloren die neuen Länder damit 54.000 Einwohner durch Abwanderung in den Westen. Auch wegen dieses Trends wird die Bevölkerung Ostdeutschlands einer Prognose der Statistiker zufolge bis 2050 mehr als doppelt so schnell schrumpfen wie im Westen. Dann dürften nur noch 9,1 Millionen Menschen im Osten (ohne Berlin) leben, knapp ein Drittel weniger als derzeit. Für Westdeutschland wird ein Minus von 14 Prozent auf 54,4 Millionen erwartet.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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