Samstag, 28. Mai 2016

Pensionszusagen Der Aktienmarkt und die Milliardenlücke

Trotz der jüngsten Aktienhausse fehlen den 30 Dax-Konzernen noch immer rund 90 Milliarden Euro, um die Pensionsansprüche ihrer Mitarbeiter zu befriedigen. Um ihr Risiko zu begrenzen, lagern immer mehr Konzerne Pensionsvermögen in externe Fonds aus - und geben das Risiko schwankender Kapitalmärkte an die Mitarbeiter weiter.

Hamburg - 2006 war ein gutes Jahr für Pensionsverwalter. Freundliche Aktienmärkte haben dafür gesorgt, dass das für künftige Pensionszahlungen angelegte Kapital kräftig gewachsen ist. Anziehende Zinsen und eine moderate Inflation haben zugleich die für die Zukunft berechnete Pensionslast gedämpft. "Dax-Unternehmen wurden auf diese Weise um zehn bis zwölf Milliarden Euro entlastet", schätzt Thomas Jasper, Partner bei der Unternehmensberatung Rauser Towers Perrin. Die Entwicklung im vergangenen Jahr sei "sehr positiv" gewesen.

Verpflichtungen in Milliardenhöhe: Allein der Aktienmarkt wird diese Summen nicht aufbringen
[M] DDP; DPA; mm.de
Verpflichtungen in Milliardenhöhe: Allein der Aktienmarkt wird diese Summen nicht aufbringen
Die Entlastung ist auch bitter nötig. Rund 250 Milliarden Euro müssen die 30 Dax-Konzerne ausgeben, um die bereits zugesagten Betriebsrenten und Pensionen an ihre Mitarbeiter jetzt und in Zukunft auszahlen zu können. Das ist mehr als die Hälfte ihres Eigenkapitals und rund ein Drittel ihrer Marktkapitalisierung, keine Peanuts also.

Wie es einem Konzern ergeht, der mit dieser Verpflichtung leichtfertig umgeht, hat der US-Konzern General Motors Börsen-Chart zeigen vorgeführt: Ungedeckte Pensionszusagen haben den weltgrößten Autohersteller zeitweise an den Rand des Ruins getrieben.

Lücke von "nur" noch 90 Milliarden Euro

Zwischen Pensionsanspruch der Mitarbeiter und dem zurückgelegten Pensionsvermögen klafft traditionell eine Lücke. Diese Deckungslücke betrug bei den 30 Dax-Unternehmen im Jahr 2005 noch mehr als 100 Milliarden Euro und ist aufgrund des segensreichen Jahres 2006 nun auf rund 90 Milliarden Euro gesunken, schätzt die Beratungsgesellschaft Mercer.

Alles im Lot also? Mitnichten. Nicht jedes Jahr läuft es am Aktienmarkt so günstig und bleibt die Inflation im Zaum. Von dem guten Aktienjahr profitierten zudem nur diejenigen Konzerne, die einen großen Teil ihres Pensionsvermögens in Aktien angelegt hatten - mit Rentenpapieren war 2006 praktisch kein Geld zu verdienen.

Nach Schätzungen von Rauser Towers Perrin haben die 30 Dax-Konzerne durchschnittlich 41 Prozent ihres Pensionsvermögens in Aktien investiert: Konzerne mit besonders hoher Aktienquote sind die Gewinner 2006, aber entsprechend anfällig für einen Kursrutsch. Doch neben dem Aktienmarkt müssen die Pensionsverwalter noch zahlreiche andere Faktoren im Blick behalten, die darüber entscheiden, ob das Geld für die Pensionen reichen wird.

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