Freitag, 16. November 2018

HP Pelzer "Einigung in Kürze"

Seit sich Gründer Helmut Pelzer gründlich mit einem Private-Equity-Investor überworfen hat, droht sein 4000 Mann starker Autozulieferer in den Konkurs zu rutschen. Nun soll es aber einen neuen Interessenten für das auf Dämmstoffe spezialisierte Unternehmen geben.

Frankfurt/Düsseldorf - Beim angeschlagenen Autozulieferer HP Pelzer mit seinen rund 4000 Beschäftigten ruht die Hoffnung auf einem neuen Investor. "Für die HP Pelzer Gruppe gibt es einen neuen Interessenten, der bereit ist, alle Anteil am Unternehmen zu erwerben, sowie frisches Kapital einzubringen", teilte das westfälische Unternehmen am Montag mit.

Zulieferer für die meisten großen Automarken: Wenn HP Pelzer geschlossen würde, käme es zu Engpässen in der Produktion
Gespräche mit der Familie Pelzer hätten bereits begonnen. Gründer Helmut Pelzer solle als Gesellschafter und aus der Unternehmensführung ausscheiden. Die Banken seien vorerst zum Stillhalten bereit.

"Mit einer Einigung wird Kürze gerechnet", hieß es bei dem Unternehmen, das als führender Anbieter von Verkleidungsteilen und Schalldämmung für Autos gilt und fast alle Autohersteller beliefert.

"Damit bleiben sowohl das Lebenswerk Helmut Pelzers als auch die Arbeitsplätze der Pelzer Gruppe erhalten", hieß es resümierend. Der Name des neuen Interessenten wurde nicht genannt. Verhandlungsnahen Kreisen zufolge handelt es sich bei dem Interessenten um einen Finanzinvestor.

Hedgefonds unter den Gläubigern

In Branchenkreisen wurden allerdings Zweifel angemeldet, dass sich zügig eine Lösung für den Automobilzulieferer finden lässt. "Das ist keine Firma, die man in zwei Wochen verkauft", sagte ein Private-Equity-Manager. "Das Unternehmen ist hoch verschuldet, komplex und es braucht Geld."

Am Wochenende war die bereits vereinbarte Übernahme des Unternehmens durch die Beteiligungsgesellschaft MVB aus Plettenberg gescheitert. Der Finanzinvestor MVB, mit dem im November eine Vereinbarung geschlossen worden war, macht hierfür zusätzliche Forderungen der Eigentümer- und Gründerfamilie Pelzer verantwortlich.

2005 erzielte die Gruppe, die in Deutschland 800 Beschäftigte hat, einen Umsatz von 590 Millionen Euro. MVB sollte ursprünglich schon Ende 2006 die Mehrheit an Pelzer übernehmen und die Finanzierung neu regeln. Eine Bank hatte zuletzt einen Kredit fällig gestellt, was die Lage verschärfte.

Insgesamt ist der Autozulieferer Finanzkreisen zufolge mit rund 200 Millionen Euro verschuldet. Unter den Gläubigern seien neben Goldman Sachs und der Bayern LB auch Hedgefonds wie Silverpoint, hieß es.

Am vergangenen Mittwoch war es zum Eklat gekommen, weil der Eigentümer Pelzer zwei jüngst auf Wunsch der MVB eingesetzte Vorstände wieder abberufen hatte.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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