Mittwoch, 24. Mai 2017

Oligarchen Die Bosse vom Balkan

4. Teil: Der Bruder fürs Grobe

Der Bruder fürs Grobe

Wer mag Djukanovic da verdenken, dass er sich vermutlich einen lukrativen Zusatzverdienst im Zigarettenschmuggel suchen musste. Obwohl in Italien Ermittlungsverfahren wegen des Schmuggelverdachts gegen ihn liefen, konnte er eine Verurteilung bisher immer verhindern. Beobachter vermuten eine Geheimvereinbarung zwischen dem Jugoslawien-Tribunal und Djukanovic, bei dem Zeugenaussagen gegen Ermittlungen getauscht wurden.

Auch der kürzlich erfolgte Rücktritt Djukanovics von allen politischen Ämtern wird in diesem Zusammenhang gesehen. Als einer der wichtigsten Verbündeten im Zigarettenschmuggel gilt der Serbe mit kroatischem Pass, Stanko Subotic Cane, dessen Vermögen laut der kroatischen Tageszeitung "Nacional" auf rund 400 Millionen Euro geschätzt wird. Er gilt als einer der wichtigsten Mafiabosse des gesamten Balkans.

Allerdings schaffte es Milo Djukanovic auch, seinen Bruder Aco Djukanovic als den Mann für das Grobe, von dem er sich distanzierte, und sich selbst als den Saubermann aufzubauen. Aco wird von Menschenhandel bis Auftragsmorden so ziemlich alles nachgesagt, was denkbar ist.

Schädelbasisbruch beim Oppositionspolitiker

Im Kartenspielerjargon gesprochen, ist er sicher der schwarze Peter unter den Balkan-Bossen. Er besitzt Banken, Bergwerke, Immobilien - und hat weitere Anlagen in Montenegro. Mit seiner Atlas Mont Gruppe gilt Dusko Knesevic als einer der wichtigsten dunklen Geschäftsfreunde der Djukanovics in Montenegro, besonders im Finanzsektor, der als Platzhalter im Namen der Brüder Banken und andere Firmen aufkauft.

Als echter Bösewicht à la "Le Chiffre" legt Aco auch gerne einmal selbst Hand an. So brachte er einem Oppositionspolitiker im Jahr 2000 angeblich mit einem Pistolenschlag auf den Kopf einen Schädelbasisbruch bei. Aber auch hier kam es zu keiner Verurteilung.

Einige Beobachter sehen Montenegro als reinen Vasallenstaat der Djukanovics. Ohne ihr Placet scheint geschäftlich dort nichts zu laufen. Kein Wunder also, dass James Bond in Montenegro in "Casino Royale" mit besonders harten Bandagen kämpfen musste.

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