Montag, 10. Dezember 2018

VW-Affäre Der tiefe Fall des Peter Hartz

Peter Hartz hatte eine Bilderbuchkarriere hinter sich, bevor er über die Korruptionsaffäre bei VW stürzte. Der einstige Topmanager ist der erste von rund einem Dutzend Beschuldigten, die sich vor dem Landgericht Braunschweig verantworten müssen.

Wolfsburg - Vom Arbeiterkind war Hartz zum mächtigen Personalvorstand bei Europas größtem Autobauer Volkswagen geworden. Das SPD- und IG-Metall- Mitglied war ein Freund von Bundeskanzler Gerhard Schröder und hochgeschätzter Berater für Politik und Wirtschaft.

Peter Hartz: Der Vater der Vier-Tage-Woche kam durch Millionenzahlung an Betriebsrat Volkert zu Fall
Die von ihm maßgeblich entwickelten Arbeitsmarktreformen, die seinen Namen tragen, brachten ihm zuletzt zwar viel öffentliche Kritik und Häme ein. Aber erst die VW-Affäre um Schmiergelder, Sexpartys und Vergnügungsreisen für Betriebsräte brachte den prominenten Topmanager zu Fall.

Nun steht Hartz als erster von einem guten Dutzend Beschuldigten im Landgericht Braunschweig vor dem Kadi. Untreue in 44 Fällen lautet die Anklage. Hartz soll dem langjährigen VW-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert und dessen Geliebter über viele Jahre hinweg hohe Summen zugeschanzt haben. Begünstigung von Betriebsräten wirft die Justiz ihm vor.

Hartz selbst hat in seinen Vernehmungen ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Es sei ihm immer ums Unternehmen und den Betriebsfrieden gegangen, beteuerte er darin. Angesichts der starken Stellung von Gewerkschaft und Betriebsrat bei VW gab er die Devise aus, nicht kleinlich zu sein, wenn es um die Arbeitnehmervertreter ging.

Vier-Tage-Woche und bahnbrechendes Tarifmodell

Der langjährige, einflussreiche VW-Arbeitsdirektor Hartz war 1993 aus der krisengeschüttelten saarländischen Stahlindustrie zum Autobauer nach Wolfsburg gekommen. Bei VW ist sein Name untrennbar verbunden mit der Einführung der erst vor kurzem wieder abgeschafften Vier-Tage-Woche, der "atmenden Fabrik" und dem Tarifmodell "5000 x 5000". Mit diesen Vereinbarungen mit der IG Metall hatten Massenentlassungen vermieden und Jobs für Langzeitarbeitslose geschaffen werden können.

Hartz stammt aus St. Ingbert im Saarland, wo er am 9. August 1941 als Sohn eines Hüttenarbeiters geboren wurde. Nach der mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Später holte er das Abitur nach und studierte Betriebswissenschaft. Peter Hartz ist verheiratet und hat einen Sohn. Inzwischen lebt er wieder im Saarland, wo er als Berater arbeitet.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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