Freitag, 16. November 2018

Strategieschwenk Mustang schließt das letzte eigene Werk

Die letzte eigene Produktionsstraße des deutschen Traditionskonzerns Mustang in Ungarn wird geschlossen. Firmenchef und Mehrheitseigner Heiner Sefranek lässt künftig in Fernost von Dritten schneidern. Die Zahl der Mustang-Mitarbeiter schrumpft damit um fast die Hälfte.

Budapest/Künzelsau - Der Jeans-Hersteller und -Händler Mustang in Künzelsau schließt Ende März sein Werk im südungarischen Marcali und entlässt etwa 400 Mitarbeiter. Dies sagte eine Unternehmenssprecherin gegenüber manager-magazin.de und bestätigte damit einen Bericht der Budapester Wirtschaftstageszeitung "Napi Gazdasag".

Kollektionswechsel im Zwei-Wochen-Takt: Familienunternehmen Mustang sattelt um
Die Mitarbeiterzahl der GmbH & Co. KG schrumpfte weltweit bereits in den vergangenen Jahren von knapp 1200 auf derzeit 800. Durch die Schließung des letzten eigenen Werks in Ungarn sinkt die Zahl der Beschäftigten bei Mustang auf 400, davon arbeiten rund 300 in den Abteilungen Vertrieb, Design, Entwicklung und Verwaltung am Stammsitz im württembergischen Künzelsau.

Durch die Vergabe der Produktion an Dritte spare der Familienkonzern Kosten, so Mustang-Sprecherin Yasmin Schwenke und ermögliche eine höhere Flexibilität bei der Sortimentspolitik. "Wir bringen im Zwei-Wochen-Takt neue Kollektionsimpulse und müssen dafür derzeit in der eigenen Produktion in kurzen Abständen die Maschinen umbauen." In spezialisierten Fabriken, unter anderem in Fernost und im Mittelmeerraum, ließe sich günstiger produzieren, weil sowohl die Kosten für Umrüstarbeiten wie auch die Löhne günstiger seien.

Eigene Designer-Teams und Techniker von Mustang überwachten bei verschiedenen Werken die Auftragsproduktionen. Mit den internationalen Partnern würden "Codes of Conduct" ("Verhaltenskodizes) geschlossen, die unter anderem auch Regelungen über die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter vor Ort umfassten.

Sefranek: "Markt verändert sich mit hohem Tempo"

Um Kosten zu sparten, hatte Mustang in der Vergangenheit bereits Produktionsstätten am deutschen Firmensitz, in Portugal, Polen und Russland geschlossen. Das Werk in Marcali, 180 Kilometer südwestlich von Budapest, war von Mustang noch Ende der 90er Jahre zum Flaggschiff seiner europäischen Produktion ausgebaut worden.

Die Herstellung der Textilien erfolgt nun zunehmend in Auftragsfertigung, vor allem in China und anderen Staaten im Fernen Osten. Gleichzeitig erweitert Mustang, die auch das Label "Casual" und Hosen der Marke "Bogner" vermarktet, die Produktpalette. Beim von Unternehmenschef Heiner Sefranek angekündigten Wechsel von der Jeans- zur Lifestyle-Marke werden über Lizenzen auch Parfüms, Uhren, Schuhe, Strümpfe, Lederwaren und Taschen ins Sortiment genommen.

Mustang-Chef Sefranek, dem 75 Prozent des Unternehmens gehören - das verbleibende Viertel hält Bruder Hans-Friedrich Sefranek - reagiert damit auf "die Veränderungen im Jeansmarkt", die "mit einem hohen Tempo weitergehen". Der Wettbewerb im Jeans-Segment gehöre zu den intensivsten in der Bekleidungsbranche. Dennoch betont Sefranek: "Der Firmensitz ist und bleibt Deutschland." In Deutschland seien "keine größeren Personalmaßnahmen geplant".

Mustang, 1932 in Künzelsau als Anbieter von Berufskleidung gegründet, betreibt heute nach eigenen Angaben 700 "Shop-in-Store-Flächen" in Deutschland und rund 150 Partner- und Franchise-Stores international. Erwirtschaftet wurde im Geschäftsjahr 2005 ein bereinigter Umsatz von 96 Millionen Euro, die Gewinnmarge soll sich allerdings in den vergangenen elf Jahren halbiert haben. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die MUSTANG Gruppe ein leichtes Umsatzplus.

manager-magazin.de mit Material von dpa

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH