Samstag, 17. November 2018

KarstadtQuelle Abschied von Neckermann

KarstadtQuelle richtet seine kränkelnde Versandsparte neu aus und trennt sich von seiner Marke Neckermann. Der Handelskonzern will sich im deutschen Versandhandel künftig auf die größere Marke Quelle konzentrieren. Neckermann soll 2007 an die Börse gehen, alternativ dazu wird ein Verkauf geprüft.

Essen - Der Handelskonzern KarstadtQuelle Börsen-Chart zeigen zieht die Konsequenzen aus Umsatzrückgängen und Verlusten in seinem Versandhandelsgeschäft und trennt sich von wesentlichen Teilen der Sparte. Auch die Dienstleistungen rund um den Versandhandel mit rund 10.000 Beschäftigten sollen verkauft oder in eine Partnerschaft eingebracht werden. Der Universalversand werde sich künftig auf die Marke Quelle konzentrieren, teilte der Konzern am Dienstag mit.

Nach der Umbenennung: Konzernchef Middelhoff
Der Universalversender Neckermann.de solle verkauft oder 2007 an die Börse gebracht werden. Im Umfeld des Konzerns hieß es, Priorität habe ein Börsengang, der bis zum vierten Quartal 2007 abgeschlossen werden könnte. Mit der Abspaltung von Neckermann dürfte der Konzern rund eine Milliarde Euro Umsatz verlieren. Ein KarstadtQuelle-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren.

Quelle solle dagegen ausgebaut werden und künftig auch im Bereich Teleshopping aktiv sein, teilte KarstadtQuelle weiter mit. In seinem Geschäft werde sich Quelle auf Mittel- und Osteuropa sowie den deutschsprachigen Raum konzentrieren. Vor allem in Russland solle der Versender expandieren. Auch das Internetgeschäft werde ausgebaut.

Die Quelle-Gesellschaften in Frankreich, Portugal und Spanien sollen dagegen ebenfalls verkauft werden. In Belgien und den Niederlanden würden die Geschäfte komplett eingestellt. Insgesamt dürfte der Umsatz dieser Geschäfte rund 600 Millionen Euro betragen, hieß es in Branchenkreisen. "Wir konzentrieren unsere Kräfte", kommentierte der für den Versandhandel zuständige Vorstand Marc Sommer den Strategiewechsel.

Im Spezialversand will sich der Konzern auf drei Segmente - das Geschäft mit älteren Menschen jenseits der 60 Jahre, das Premium-Segment sowie das mit Baby- und Natur-Textilien - konzentrieren, die übrigen Versender sollen ebenfalls veräußert werden. Von der Versandhandels-Service Group, bestehend aus 14 Call-Centern, fünf Logistikstandorten und IT-Dienstleistern mit insgesamt 10.000 Beschäftigten, will sich der Konzern ebenfalls trennen. Gelingt dies nicht, soll das Geschäft zusammen mit einem Partner betrieben werden.

KarstadtQuelle hat bereits Teile seiner Logistik an die Deutsche Post Börsen-Chart zeigen abgegeben. Die Post wollte die neuen Karstadt-Pläne nicht kommentieren, eine Sprecherin signalisierte aber, dass kein Interesse bestehe: Sie verwies darauf, dass der Bonner Konzern sich auf organisches Wachstum konzentrieren wolle.

Trotz seines Rückzugs aus Teilen des Versandgeschäftes hält der Essener Konzern aber an den Plänen für den Ausbau seiner Reisesparte fest. Die vollständige Übernahme des Reisekonzerns Thomas Cook wird einem Sprecher zufolge weiterhin angestrebt. Wichtigste Tochter des bislang zusammen mit Lufthansa betriebenen Cook-Konzerns ist der Reiseveranstalter Neckermann.

Über die Übernahme von Thomas Cook verhandelt KarstadtQuelle seit Monaten mit Lufthansa Börsen-Chart zeigen. Ursprünglich hatte der Konzern die Versand-Marke Neckermann.de zum größten deutschen Internethändler machen wollen. Konzernchef Thomas Middelhoff hatte dann aber Anfang November "stabilisierende Maßnahmen" für das schrumpfende Versandhandelsgeschäft angekündigt, ohne aber Details zu nennen.

Die Versandhandelsmarken Quelle und Neckermann hatten im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von mehr als 7 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Der operative Verlust weitete sich auf 61,4 Millionen von 55,1 Millionen Euro im Vorjahr noch aus. Besonders schlecht gelaufen sei der September, hatte der Konzern erklärt. Im vierten Quartal lägen sowohl Quelle als auch Neckermann.de "auf Plan", teilte der Konzern nun mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

KarstadtQuelle hat sich im Rahmen seines Konzernumbaus bereits von zahlreichen Kaufhäusern und anderen Immobilien getrennt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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