Sonntag, 16. Dezember 2018

Reaktionen "Freispruch zweiter Klasse"

Die Reaktionen von Aktionärsschützern und Finanzexperten auf das mögliche Ende des Mannesmann-Prozesses fallen sehr unterschiedlich aus. Einige sprechen von einem "unbefriedigenden Ausgang", andere von einer "positiven Nachricht".

Frankfurt am Main/Düsseldorf/Berlin - Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat verhalten auf die mögliche Einstellung des Mannesmann-Verfahrens reagiert. "Das ist ein unbefriedigender Ausgang", sagte Vorstandsmitglied Reinhild Keitel. Im Kern des Verfahrens gebe es nun keine Klarheit. Zudem bleibe durch die Einigung der Beteiligten die mögliche Einzelverantwortung ungeklärt, so Keitel.

Mögliches Prozessende: Deutsche-Bank-Chef Ackermann kann sich wieder voll dem Unternehmen widmen
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Mögliches Prozessende: Deutsche-Bank-Chef Ackermann kann sich wieder voll dem Unternehmen widmen
Die Anwälte des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hatten am Freitag die Einstellung des Mannesmann-Verfahrens angeregt. Die Staatsanwaltschaft hat dem bereits zugestimmt. Das Gericht wird nun wohl in der kommenden Woche entscheiden, ob der Prozess vorzeitig beendet wird.

Die Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) spricht von einem "Freispruch zweiter Klasse" für Ackermann. Dennoch erklärte DSW-Sprecher Jürgen Kurz: " Für die Deutsche Bank und auch die Aktionäre ist es eine positive Nachricht, dass es vorbei ist." Nun könne sich Ackermann wieder voll dem Unternehmen widmen. "Und das macht er, wenn man sich die Zahlen ansieht, gut."

Aus Sicht der Schutzvereinigung sei es lediglich ärgerlich, dass die eigentliche Frage des Prozesses, nämlich die, ob es sich bei den gezahlten Prämien um rückwirkende oder zukunftsweisende gehandelt habe, nicht geklärt worden sei. Auf der anderen Seite müsse man sehen, dass das Verfahren keine übergeordnete Wirkung mehr haben werde, da die Verträge so angepasst worden seien, dass es heute zu solch einer Konstellation nicht mehr kommen könnte. " Für uns wäre der zivilrechtliche Bereich viel interessanter gewesen, nämlich zu klären, ob die Zahlungen angemessen waren oder nicht", betonte Kurz.

Der Finanzexperte Wolfgang Gerke hat die mögliche Einstellung des Mannesmann-Prozesses gegen Geldauflage begrüßt. " Ich halte das für das Beste, was passieren konnte", sagte der an der Universität Erlangen tätige Professor für Bankwesen dem " Tagesspiegel". " Nicht nur für die Deutsche Bank, für den gesamten deutschen Finanzdienstleistungssektor ist das ein gutes Ergebnis", sagte Gerke der "Berliner Zeitung". Die Geldauflage für Ackermann - nach dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft soll er 3,2 Millionen Euro zahlen - sei sehr hoch, aber damit habe die Staatsanwaltschaft ihre Genugtuung.

manager-magazin.de mit Material von ap und dow jones

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