Sonntag, 9. Dezember 2018

Volkswagen Golf nicht mehr aus Brüssel

VW will den Golf künftig nur noch in Wolfsburg und im sächsischen Mosel produzieren. Im Werk Brüssel sind daher rund 3500 Arbeitsplätze bedroht. Allerdings scheint es für die Belgier noch Hoffnung zu geben. Könnte nach Informationen von manager-magazin.de doch zum Ausgleich das neue Audi A3-Cabrio statt in Ungarn nun in Brüssel gefertigt werden.

Brüssel - Angesichts von Überkapazitäten in Westeuropa plant Volkswagen Börsen-Chart zeigen eine Restrukturierung des Standorts Brüssel. Die Geschäftsführung von Volkswagen Brüssel hat am Dienstag Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über ein entsprechendes Konzept aufgenommen. Es sieht vor, den Golf künftig nicht mehr in drei, sondern nur noch in zwei Werken in Westeuropa zu produzieren, nämlich in Mosel und Wolfsburg.

Protest: Arbeiter vor dem VW-Werk in Brüssel
Das Werk in Brüssel soll nicht geschlossen, aber neu ausgerichtet werden. Derzeit sind dort etwa 5300 Menschen beschäftigt, etwa zwei Drittel der Arbeitsplätze sollen VW-Produktionsvorstand Reinhard Jung zufolge abgebaut werden. Die Einsparungen würden "in dreistelliger Millionenhöhe" liegen, sagte ein VW-Sprecher. Die Beschäftigten wurden auf einer Betriebsversammlung über die Pläne unterrichtet. Einem belgischen Pressebericht zufolge soll in dem Werk als Ausgleich eine höhere Stückzahl des Polo produziert werden.

Nach Informationen von manager-magazin.de erwägt der bisherige Audi-Chef und künftige Volkswagen-Lenker Martin Winterkorn, die Erweiterung des Audi-Werks im ungarischen Gyoer zu stoppen. In Ungarn werden bislang der Audi TT und Motoren produziert. Zusätzlich war bisher vorgesehen, in Gyoer eine Cabrio-Version des Audi A3, die 2008 auf den Markt kommen soll, zu bauen. Das neue Cabrio solle einmal Stückzahlen von bis zu 70.000 Einheiten erreichen. Diese Produktion könne nun als Ausgleich für den Golf-Abzug nach Brüssel wandern, heißt es in Konzernkreisen. Dies wäre ein erstes Zugeständnis des künftigen Volkswagen-Chefs Winterkorn an die Gewerkschaften, wird die mögliche Entscheidung interpretiert. Volkswagen wollte die Information nicht kommentieren.

Golf-V-Montage: Produktion künftig nur noch in Wolfsburg und Mosel
Der Vorsitzende der Teilgewerkschaft ACV-Metall, Tony Janssen, erklärte, über eine Fortsetzung des am Freitag begonnenen Streiks im Werk Brüssel sei noch nicht entschieden. Er erwarte aber "eine heftige Reaktion der Arbeiter", sagte Janssen.

VW-Produktionsvorstand Jung sagte in Brüssel, das Unternehmen müsse nicht einmal zusätzliches Geld investieren, um die Kosten zu senken. "Konzepte, die eine Golf-Produktion in Brüssel einbeziehen, rechnen sich nicht", sagte Jung.

Jung betonte, Volkswagen werde alle Möglichkeiten prüfen, um möglichst viele Arbeitsplätze in Brüssel zu erhalten. "Wir wissen um unsere Verantwortung", sagte er. Wie lange die Umstrukturierung dauern werde, hänge von den Verhandlungen mit den Beschäftigten ab. "Fest steht aber, dass wir keine Zeit zu verlieren haben."

In dem Brüsseler VW-Werk hatten Beschäftigte am Freitag aus Angst vor Einsparmaßnahmen spontan die Arbeit niedergelegt. Drei belgische Gewerkschaften haben das gesamte Personal im VW-Werk Brüssel zum Ausstand bis Mittwoch aufgerufen.

Die westeuropäischen Werke von Volkswagen seien trotz gestiegener Marktanteile nicht ausgelastet, heißt es. Die Wachstumsmärkte der Zukunft seien vor allem Russland, Indien und China. Nachdem Volkswagen bereits an deutschen Standorten eine tief greifende Restrukturierung eingeleitet hat, sollen jetzt weitere Standorte in die Restrukturierung einbezogen werden.

Bereits Anfang November hatte Volkswagen einen umfassenden Personalabbau in seinen westeuropäischen Werken angekündigt. Neben Brüssel sind auch Produktionsstätten im spanischen Pamplona und im portugiesischen Palmela betroffen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, vwd und dpa

© manager magazin 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH