Freitag, 14. Dezember 2018

Urteil Wal-Mart muss Millionen an Mitarbeiter zahlen

Sie mussten die Pausen durcharbeiten und bekamen keinen Cent für Überstunden. Deshalb klagten Mitarbeiter gegen Wal-Mart. Ein US-Gericht verurteilte den US-Handelskonzern jetzt zu rund 80 Millionen Dollar Entschädigung.

Philadelphia - Der weltgrößte Einzelhandelskonzern Wal-Mart Börsen-Chart zeigen muss wegen unbezahlter Mehrarbeit an 187.000 Mitarbeiter im US-Bundesstaat Pennsylvania 78,5 Millionen Dollar (63 Millionen Euro) Entschädigung zahlen. Dieses Strafmaß habe eine Jury zum Abschluss eines fünf Wochen langen Prozesses in Philadelphia festgelegt, berichteten US-Zeitungen am Wochenende.

Wal-Mart-Filiale in Illinois: Mit "böser Absicht" gehandelt
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Wal-Mart-Filiale in Illinois: Mit "böser Absicht" gehandelt
Das US-Unternehmen sieht sich einer Reihe von Prozessen wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Superstores gegenüber. Nach Medienberichten sind weitere 70 Verfahren anhängig. Im vergangenen Dezember war der Handelskonzern aus Bentonville (Bundesstaat Arkansas), dessen Besitzer jährlich in den oberen Rängen der 100 reichsten Amerikaner auftauchen, in Kalifornien aus gleichem Grund zu einer Strafe von 172,3 Millionen Dollar verurteilt worden.

Auch in Deutschland eckte Wal-Mart bis zu seinem Rückzug im Juli wiederholt bei der Belegschaft an. Jüngster Fall war eine interne Ethik-Richtlinie des Mutterkonzerns. Dabei ging es um das Verbot von Liebesbeziehungen zwischen Mitarbeitern. Die Vorgaben landeten 2005 vor einem deutschen Gericht.

Im jetzt entschiedenen Fall sah die Jury es den Angaben zufolge als erwiesen an, dass der Handelsriese den Mitarbeitern kein Geld für Überstunden oder Arbeit während der Pausen zahlte und damit geltendes Arbeitsrecht verletzte. Eine Zeugin hatte zuvor berichtet, die Arbeit sei so hart gewesen, dass sie nicht einmal zur Toilette hätte gehen können. Aus Sicht der Jury hat sich Wal-Mart wissentlich einen unfairen Vorteil verschafft, indem die Mitarbeiter nicht für mehr geleistete Arbeitszeit bezahlt worden seien.

Der Konzern will nach Angaben des Blattes Berufung gegen das Urteil einlegen. Das Unternehmen dürfe nicht dafür bestraft werden, wenn Mitarbeiter sich entschlössen, ihre Pause ausfallen zu lassen.

Entscheidung über weitere Millionenstrafe steht noch aus

In der Sammelklage waren 187.000 derzeitige und frühere Mitarbeiter von Wal-Mart in Pennsylvania vertreten, die von 1998 bis 2006 für das Unternehmen gearbeitet haben. Die Summe wird nach einem Schlüssel auf alle Beteiligten der Massenklage verteilt. Ihnen stehen Entschädigungen zwischen 50 und mehreren tausend Dollar zu, je nachdem, wie lange sie für Wal-Mart gearbeitet haben.

Kläger-Anwalt Michael Donovan zeigte sich mit dem Ergebnis hochzufrieden. "Das Urteil sollte als Signal dafür angesehen werden, dass die Unternehmen den Profit nicht über die Menschen stellen sollten", sagte er.

Über einen weiteren Antrag von Klägeranwalt Donovan muss das Gericht in den nächsten Tagen entscheiden. Weil Wal-Mart in "böser Absicht" gehandelt habe, so lautet der Antrag sinngemäß, sei zusätzlich eine Strafzahlung in Höhe von 62 Millionen Dollar zu leisten.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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