Montag, 10. Dezember 2018

Sportartikel Robin Schuh neckt Nike & Co.

Nicht nur die Strafzölle auf Schuhimporte aus China bewegen derzeit die Branche. Jetzt verärgert auch noch Basketballstar Stephon Marbury die Sportartikelriesen. Er wirbt für Sportschuhe, die sich jeder leisten kann.

Hamburg – Stephon Marbury bekommt das fünfthöchste Gehalt der amerikanischen Basketballliga NBA. So wohlhabend war der Star der New York Knicks nicht immer: Er wuchs als eines von sieben Kindern in einer Sozialwohnung in New York auf. Markenschuhe zu Preisen von 100 bis 200 Dollar konnten ihm seine Eltern nicht kaufen.

Revoluzzer: Marbury, mit dem deutschen Spieler Dirk Nowitzki
Deshalb will Marbury jetzt dafür sorgen, dass jeder Jugendliche hochwertige Schuhe tragen kann – so jedenfalls der Tenor seiner Werbekampagne, die er zusammen mit der Billigkette Steve & Barry’s losgetreten hat. Die Sportschuhe aus seiner Kollektion sind für jeweils höchstens 15 Dollar zu haben, T-Shirts und andere Kleidungsstücke kosten bis zu zehn Dollar. Marburys Verkaufsargument: Er wird den "Starbury One"-Schuh während der gesamten Saison auf dem Spielfeld tragen.

Der Basketballstar, der gerne von einer "Revolution" auf dem Markt für Sportartikel spricht, zieht zurzeit wie ein Robin Hood durch das Land, um den Armen seine Schuhe zu bringen und den reichen Markenherstellern Profite wegzunehmen. Er lässt sich kein Werbehonorar bezahlen, sondern bekommt eine Gewinnbeteiligung. Gute Schuhe müssten nicht teuer sein, so Marbury. Der größte Teil des Preises entstehe durch hohe Werbeausgaben.

Tabuthema Produktionskosten

Wohl wahr – wenn etwa Nike Börsen-Chart zeigen mit dem Namen der Basketballlegende Michael Jordan werben darf, dann treibt das den Preis der Nobelschuhe "Air Jordan" nach oben. Die Herstellungskosten machen höchstens 55 Prozent des Preises für einen Sportschuh aus, so eine Schätzung von Roland Könen, Analyst beim Bankhaus Lampe. Die International Labour Organization (ILO) schätzt die Produktionskosten für einen Sportschuh auf etwa zehn Dollar. Nicht ohne Grund schweigen die großen Hersteller über ihre Ausgaben.

Experte Könen glaubt, dass die Billigaktion den etablierten Unternehmen gefährlich werden kann: "Da gehen schnell 1 bis 2 Prozent Marktanteil verloren", sagt er. Umgerechnet auf den Umsatz seien das etwa 5 bis 6 Prozent. Dass Billiganbieter auf dem deutschen Markt für ähnliche Veränderungen sorgen könnten, hält der Analyst aber nicht für wahrscheinlich, obwohl die Markentreue der deutschen Kunden nicht so stark sei wie die der Amerikaner.

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