Freitag, 14. Dezember 2018

Wal-Mart Rückzug aus Deutschland kostet 863 Millionen Dollar

Nach acht Jahren auf dem deutschen Markt, in denen Wal-Mart nur Verluste schrieb, zog der weltgrößte Einzelhändler die Reißleine. Wie schmerzhaft sich das auf die Bilanz auswirkte, steht nun fest. Der Gewinn pro Aktie sank weit unter die Erwartungen der Analysten.

Bentonville - Der Rückzug vom deutschen Markt kommt Wal-Mart teuer zu stehen: Der erfolgsverwöhnte US-Konzern muss einen Verlust von 863 Millionen Dollar (680 Millionen Euro) verbuchen und hat deshalb erstmals seit mehr als zehn Jahren einen Gewinnrückgang verzeichnet. Angesichts des scharfen Wettbewerbs und anderer Einkaufsgewohnheiten in Deutschland hatten die 85 deutschen Filialen des erfolgsverwöhnten US-Riesen seit dem Start vor acht Jahren kein einziges Mal schwarze Zahlen geschrieben.

Supercenter mit hohen Verlusten: Die 85 Abverkaufsstellen von Wal-Mart in Deutschland gehören nun Metro
Wal-Mart Börsen-Chart zeigen verdiente im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 (31. Juli) mit knapp 2,1 Milliarden Dollar fast 26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie fiel auf 50 (67) Cent, wie Wal-Mart am Dienstag in Bentonville (US-Bundesstaat Arkansas) mitteilte. Ohne die Sonderbelastung aus dem gescheiterten Deutschland-Geschäft erhöhte sich der Gewinn um 4,6 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar.

Der Quartalsumsatz legte kräftig auf 85,4 (76,7) Milliarden Dollar zu. Der Halbjahresumsatz stieg ebenfalls deutlich auf 165,1 (147,5) Milliarden Dollar. Wal-Mart verdiente im Halbjahr wegen des schlechten zweiten Quartals nur noch 4,7 (5,3) Milliarden Dollar oder 1,13 (1,25) Dollar je Aktie. Deren Kurs fiel nach Bekanntgabe der Zahlen um zwei Prozent.

Zu neuen Ufern in Brasilien und Japan

Der US-Konzern hatte bei der Verkaufsankündigung den Vorsteuerverlust für den Deutschland-Rückzug auf rund eine Milliarde Dollar geschätzt. Das Unternehmen betonte, die Verluste von 863 Millionen Dollar für den Deutschland-Rückzug seien im zweiten Quartal verbucht worden. Käufer Metro Börsen-Chart zeigen will mit dem Zukauf die in Deutschland schwächelnde Tochter Real stärken.

Sollten noch höhere Verluste anfallen, würden sie später berücksichtigt, so Wal-Mart. Der Verkauf des südkoreanischen Geschäfts, der zeitlich parallel passierte, werde hingegen einen Gewinn bringen. Vor dem Abschluss der Transaktionen seien noch kartellrechtliche Genehmigungen in beiden Ländern notwendig.

Konzernchef Lee Scott sagte, Wal-Mart werde sich auf Wachstumsbereiche konzentrieren. Der US-Riese expandierte durch die Erhöhung der Beteiligung an dem japanischen Einzelhändler Seiyu, durch den Kauf eines brasilianischen Unternehmens und die Übernahme der Mehrheitsbeteiligung am mittelamerikanischen Einzelhändler Carho im Ausland viel stärker als im heimischen Markt.

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