Dienstag, 11. Dezember 2018

Diagnostika Bayer-Sparte für 4,2 Milliarden an Siemens

Siemens' Sanierungsplan war in den vergangenen Wochen geprägt vom Zusammenstreichen von Kapazitäten - nun folgt ein teurer Einkauf. Der Pharmakonzern Bayer stößt nach der Übernahme von Schering sein Diagnostika-Geschäft ab. Der Deal wird begrüßt, die Aktien beider Konzerne steigen.

München/Leverkusen - Siemens Börsen-Chart zeigen übernimmt vom Bayer-Konzern Börsen-Chart zeigen dessen Diagnostika-Geschäft mit Laborgeräten für 4,2 Milliarden Euro.

Wachstum bei Healthcare: Unternehmenszentrale von Siemens in München
Der am Donnerstagabend überraschend mitgeteilte Kauf ist nach der angekündigten Übernahme der US-Firma Diagnostic Products für gut 1,8 Milliarden Dollar die zweite milliardenschwere Akquisition der Münchener innerhalb von zwei Monaten. Für Bayer dürfte die Transaktion die Belastung durch die 17 Milliarden Euro schwere Schering-Übernahme dämpfen.

"Der demografische Wandel bewirkt eine global wachsende Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und bietet damit hohe Wachstumschancen auf diesem Gebiet", begründete Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die Übernahme der Bayer-Sparte.

Kleinfeld: Gesamte Wertschöpfung unter einem Dach

Der Siemens-Chef weiter: "Es entsteht zum ersten Mal in der Gesundheitsindustrie ein integriertes Diagnostik-Unternehmen, das bildgebende Diagnostik und Labordiagnostik sowie klinische Informationstechnologie in der gesamten Wertschöpfung unter einem Dach verbindet."

Siemens-Medizintechnik-Chef Erich Reinhardt hatte vor wenigen Tagen angekündigt, das Geschäft mit Labortechnik nach dem Kauf von Diagnostic Products weiter auszubauen. Der Manager will die Produktpalette von Siemens um Labor- und Molekularmedizingeräte erweitern. Bislang sind die Münchener vor allem im Bereich der bildgebenden Großgeräte tätig und auf diesem Feld nach dem US-Mischkonzern General Electric (GE) Börsen-Chart zeigen weltweit die Nummer zwei.

Wie Siemens die Akquisition finanzieren will, wollte ein Konzernsprecher am Donnerstagabend nicht sagen. Er verwies lediglich auf eine für Freitagvormittag angesetzte Pressekonferenz.

Die Aktien von Bayer stiegen zum Handelsauftakt um 3,2 Prozent, Siemens-Titel legten 2,4 Prozent zu.

Bayer rechnet mit 3,6 Milliarden Euro Einnahmen

Bayer rechnet aus dem Verkauf des Diagnostika-Geschäfts, das 2005 mit etwa 5000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro kam, nach Steuern mit Einnahmen von etwa 3,6 Milliarden Euro. Die geplante Hybrid-Anleihe von 1,3 Milliarden Euro werde nun möglicherweise ganz entfallen oder deutlich kleiner ausfallen, teilte Bayer mit.

Auch die vorgesehene Eigenkapital-Aufnahme von bis zu vier Milliarden Euro werde nun voraussichtlich um 500 Millionen Euro geringer ausfallen. Die Transaktion solle voraussichtlich im ersten Halbjahr 2007 abgeschlossen sein, gab Bayer bekannt.

Weiter berichtete der Konzern, dass der Verkauf an Siemens bereits vor der Übernahme von Schering besprochen worden sei. Da Bayer Health Care Diagnostics bei Ertrag und Profitabilität in den vergangenen drei Jahren deutlich über Markt gewachsen sei, wäre der Zeitpunkt günstig, "diese erfolgreiche Geschäft Wert steigernd zu veräußern", erklärte Arthur Higgins, HealthCare-Chef bei Bayer.

"Mit dieser Entscheidung setzen wir unsere Strategie zur gezielten Ausrichtung unseres HealthCare-Geschäftes konsequent um. Wir konzentrieren uns auf Arzneimittel für Mensch und Tier sowie auf konsumentennahe Produkte", erklärte Bayer-Chef Werner Wenning. Die Bayer-Sparte Diabetes Care sei von der Transaktion nicht betroffen. Dies gelte auch für das Schering-Geschäft mit Kontrastmitteln, das nach der vereinbarten Fusion mit dem Berliner Pharmakonzern ein wesentlicher Bestandteil der künftigen Bayer Schering Pharma AG sein soll.

Bayer teilte am Abend außerdem mit, der Konzern werde den Vertrag von Vorstandschef Wenning um drei Jahre bis 2010 verlängern, und bestätigte damit eine Vorabmeldung des manager magazins. Die ebenfalls im kommenden Jahr auslaufenden Verträge von Finanzvorstand Klaus Kühn und Arbeitsdirektor Richard Pott seien um jeweils fünf Jahre bis 2012 verlängert worden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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