Montag, 23. Juli 2018

ProSiebenSat1 Widerstand gegen "Bild, BamS und Glotze"

Die deutschen Verlage und Fernsehanstalten machen Front gegen die ProSiebenSat.1-Übernahme durch den Axel Springer Verlag: Vor allem Holtzbrinck will massive Bedenken beim Kartellamt vortragen. Dessen Chef hat bereits eine besonders intensive Prüfung angekündigt.

Berlin - Hier entstehe eine "große Medienmacht, sowohl publizistisch als auch auf den Werbemärkten", sagte Michael Grabner, stellvertretender Geschäftsführungsvorsitzender bei Holtzbrinck, der "Süddeutschen Zeitung". "Das ist nicht nur für uns ein Thema, sondern für die ganze Medienbranche." Holtzbrinck war selbst zuletzt mit zwei Vorhaben am Kartellamt gescheitert, darunter der geplante Kauf der "Berliner Zeitung". "Wir erwarten, dass bei Springer mit gleichen Maßstäben gemessen wird", sagte Grabner.

"Keine Politik gegen 'Bild', 'BamS'und Glotze": Springer-Verlagshaus in Hamburg
Gleichzeitig warnte der ARD-Vorsitzende, NDR-Intendant Jobst Plog, im RBB-Medienmagazin auf Radio Eins vor der Zusammenballung publizistischer Macht. Diese sei, anders als von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner dargestellt, bei Springer nach der Fusion größer als die von Bertelsmann. "Der Kanzler hat nicht zu Unrecht darauf hingewiesen, dass man Politik schwer machen kann gegen 'Bild', 'BamS' und Glotze". Genau diese Konstellation ist jetzt hergestellt", sagte Plog.

Die Medienhäuser machen damit Druck im Vorfeld der kartellrechtlichen Prüfung, für die Kartellamtspräsident Ulf Böge bereits ein so genanntes Hauptprüfverfahren mit einer Frist von weiteren drei Monaten angekündigt hat. "Ich gehe davon aus, dass wir dieses Vorhaben vertieft prüfen müssen und nicht in vier Wochen entscheiden können", sagte Böge der "Süddeutschen Zeitung".

"Crossmediale Verflechtung, die wir so nicht kannten"

Nur ein kleiner Teil der beim Kartellamt angemeldeten Käufe und Übernahmen erreicht das Hauptprüfverfahren. In 80 bis 90 Prozent der Fälle reicht dem Kartellamt eine wenige Wochen dauernde Vorprüfung, um eine Genehmigung zu erteilen.

In diesem Fall lägen aber zwei Sachverhalte vor, "die wir uns kartellrechtlich genau anschauen müssen", sagte Böge. Dabei gehe es darum, welche Auswirkungen die Übernahme und Fusion auf den Werbemarkt im Fernsehen und den Lesermarkt bei Kaufzeitungen haben könne. Neu an diesem Vorhaben sei "eine crossmediale Verflechtung, die wir bisher in Deutschland so nicht kannten".

Der Fernsehwerbemarkt wird von zwei Familien dominiert - der RTL-Gruppe und der ProSiebenSat.1-Gruppe. Weil sonst selbst potenzieller Wettbewerb wegfiele, darf es keine Verflechtungen geben. Nachdem die Europäische Kommission Springer und Bertelsmann bei Druckereien die Gründung der gemeinsamen Tochter Prinovis erlaubt hatte, könnten mittelbare Verflechtung der beiden TV-Familien entstehen, sagte Böge.

Der Springer-Verlag gab sich am Montag "zuversichtlich, gute Argumente gegen die vom Kartellamt womöglich vorgebrachten Bedenken" zu haben. Eine Sprecherin wollte gegenüber manager-magazin.de aber keine Einzelheiten nennen. Insbesondere wollte sie sich nicht zu der Frage äußern, ob die von Kartellamtschef Böge als problematisch erachtete Druckbeteiligung notfalls verkauft werden müsse.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH