Dienstag, 13. November 2018

FC Bayern "Fußballdeutschland hat einen Tiefschlaf gehalten"

Der FC Bayern München regiert den deutschen Fußball. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagt im Interview mit manager-magazin.de, wie der deutsche Rekordmeister international angreifen will, warum das Modell Manchester United hoch riskant ist, und wie der FCB spielend 100 Millionen Euro mehr pro Jahr verdienen könnte.

mm.de:

Herr Rummenigge, Sie leiten als Vorstandschef die Vorstandssitzungen der FC Bayern München AG. Wird nach Protokoll oder auf Zuruf gearbeitet?

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Veränderungen aus deutscher Sicht revolutionär"
Rummenigge: Sowohl als auch. Jeden Montag um 11 Uhr ist Sitzung, vorausgesetzt, für die nächsten Tage ist kein Champions-League-Spiel angesetzt. Jeder Vorstand bringt dann ein Update aus seinem Ressort. Die finanziellen Aspekte, Personal- und Stadionangelegenheiten trägt Finanzvorstand Karl Hopfner vor. Uli Hoeneß ist für die Mannschaftsbetreuung und das Sponsoring zuständig. Nach den Updates diskutieren wir meist über Personalpolitik und Transferperspektiven. Im Fußball gehört es jedoch zum Geschäft, dass wichtige Angelegenheiten auch schnell per Zuruf über den Flur entschieden werden. Wir arbeiten also so strukturiert wie nötig und so flexibel wie möglich.

mm.de: Und wenn ein Schnellschuss daneben geht?

Rummenigge: Kein Problem, bei uns herrscht Loyalität. Damit aber nichts daneben geht, ist Abstimmung innerhalb des Vorstands wichtig. Es gibt immer Überschneidungen bei unseren Aufgabenfeldern. Ich selbst bin unter anderem für das Thema Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Da komme ich nicht umhin, auf möglichst allen Feldern gut informiert zu sein. Das Management muss flüssig zusammenspielen.

mm.de: Sie meinen Uli Hoeneß, Karl Hopfner und sich selbst?

Rummenigge: Es gibt mehr Verantwortliche, aber bei uns dreien laufen die Fäden zusammen. Das war in der vergangenen Saison anstrengend - aber es hat sich gelohnt. Wir sind Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, in der Champions League haben wir passabel abgeschnitten. Da sind die Sponsoring-Partner zufrieden, und die Zuschauer werden in die neue Allianz-Arena strömen. So zahlt sich sportlicher Erfolg wirtschaftlich aus.

mm.de: Sorgen Sie schon für schlechtere Zeiten vor? Wie weit kann ein Spitzenclub Soll und Haben vom sportlichen Erfolg abkoppeln?

Rummenigge: Kaum. Nehmen Sie Manchester United. Kaum lief es nicht mehr rund, konnte ein Mann das Team kaufen. Jetzt lastet ein deutlich höherer Renditedruck auf dem Verein. Bei einigen Kollegen im Süden Europas wird dagegen eine teilweise hasadeurhafte Finanzpolitik betrieben. Da werden Verluste von mehr als 100 Millionen Euro per annum in Kauf genommen - ein aus meiner Sicht viel zu riskantes Spiel. Allerdings verfügen diese Vereine über höhere Einnahmen aus dem Fernsehbereich. Auf diesem Feld ist der Fußball in Deutschland katastrophal schwach aufgestellt. Für uns ist das eine wichtige Baustelle, hier müssen wir rasch auf internationales Niveau kommen.

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