Mittwoch, 14. November 2018

Milliardenerlös Eon verkauft Immobilientochter Viterra

Der Versorger Eon verkauft seine Immobilientochter Viterra an die Wohnungsgesellschaft Deutsche Annington. Wenn das Kartellamt zustimmt, kann Eon für das Paket von 152.000 Wohnungen einen unerwartet hohen Milliardenerlös verbuchen.

Düsseldorf - Das Transaktionsvolumen betrage sieben Milliarden Euro, teilte Eon Börsen-Chart zeigen am Dienstag in Düsseldorf mit. Dies beinhalte den Kaufpreis in Höhe von rund vier Milliarden Euro und die vom Käufer zu übernehmenden Nettofinanzschulden und Rückstellungen von rund drei Milliarden Euro.

 Erlös eine Milliarde Euro höher als erwartet: Eon-Zentrale
DPA
Erlös eine Milliarde Euro höher als erwartet: Eon-Zentrale
Experten hatten nur mit einem Erlös von rund sechs Milliarden Euro für die Gesellschaft mit rund 152.000 Wohnungen gerechnet. Eon hatte aber im April noch einmal Druck gemacht und von einem möglichen Börsengang von Viterra gesprochen.

Dem Kauf, der bis Juli abgeschlossen sein soll, müssen die Kartellwächter noch zustimmen. Durch den Zusammenschluss entstünde das mit knapp 230.000 bewirtschafteten Wohneinheiten größte Wohnimmobilienunternehmen in Deutschland.

Eon erwartet nun erhebliche Gewinnsteigerung für 2005

Der Käufer Deutsche Annington hat bisher rund 75.000 Wohnungen vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands. Im Jahr 2001 hatte die Gesellschaft für 2,1 Milliarden Euro elf regionale Eisenbahn-Wohnungsgesellschaften mit insgesamt 64.000 Wohnungen erworben.

Kerngeschäftsfelder der Düsseldorfer Firma sind Vermietung und Einzelverkauf von Wohnungen, bevorzugt an Mieter und Selbstnutzer. Der Konzernumsatz betrug 2003 503,6 Millionen Euro, das operative Ergebnis lag bei 152,5 Millioenn Euro. Viterra hält Wohnungen überwiegend in Ruhrgebiet, Rhein-Main-Raum und einigen weiteren Ballungszentren. Im Geschäftsjahr 2004 betrug der Umsatz von 988 Millionen Euro; der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen 621 Millionen Euro.

Seit Frühjahr 2002 veräußerte die Deutsche Annington (DAIG) nach eigenen Angaben aus ihrem Bestand knapp 11.000 Wohnungen an die Mieter. Diese Strategie dürfte auch nach dem Viterra-Kauf beibehalten werden, heißt es in Branchenkreisen. Die 1600 Arbeitsplätze, die Viterra derzeit als eigenen Bestand ausweist, dürften demnach kaum bedroht sein. Volker Riebel, Vorsitzender der Geschäftsführung der DAIG: "Wir setzen uns dafür ein, die Rechte der Mieter zu schützen. Dies hat bei unserem Geschäftsmodell immer eine wichtige Rolle gespielt."

Citigroup-Tochter finanziert Viterra-Deal mit

Deutsche Annington ist eine Tochter des britischen Finanzinvestors Terra Firma, der Ende vergangenen Jahres den deutschen Raststättenbetreiber Tank & Rast übernommen hatte. Dies Engagement sei langfristig, hatte damals Terra-Firma-Geschäftsführer Georg Kulenkampff gegenüber manager-magazin.de gesagt. Eine bedeutende Minderheitsbeteiligung an Deutsche Annington hält die Citigroup-Tochter Citigroup Property Investors.

Deren Einstieg war während der Planungsphase für den Viterra-Kauf erfolgt. Die hohe Liquidität der Citigroup Börsen-Chart zeigen, der größten Bank der Welt, spielte für den 7-Milliarden-Euro-Deal eine nicht unerhebliche Rolle. Zudem wird der Einstieg von renommierten Großinvestoren bei Beteiligungsgesellschaften in der Branche auch als Gütesiegel angesehen - und Citygroup Property Investors hatte bereits erklärt, sie wolle langfristig bei der DAIG investiert bleiben.

Der größte deutsche Energieversorger Eon erwartet aus der Transaktion für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinn in Höhe von 2,4 Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund des erfolgreichen Viterra-Verkaufs erwartet Eon nunmehr, im laufenden Geschäftsjahr "den Konzernüberschuss des Vorjahres erheblich zu übertreffen", hieß es.

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