Mittwoch, 14. November 2018

EnBW "Wir haben nichts schöngerechnet"

Der Vorstandschef der Energie Baden-Württemberg, Utz Claassen, hat sich während der Hauptversammlung des Konzerns gegen den Vorwurf der Falschbilanzierung zur Wehr gesetzt. "Wir haben die Dinge nicht schöngerechnet, sondern sachgerecht bewertet", sagte Claassen.

Karlsruhe - An der umstrittenen Abwertung der Beteiligung an den Stadtwerken Düsseldorf um rund 208 Millionen Euro sei "gar nichts zu beanstanden", sagte Claassen am Freitag während der Hauptversammlung in Karlsruhe. Nach der Wiederaufnahme der Dividendenzahlung für 2004 versprach der Vorstandsvorsitzende den Aktionären der EnBW Börsen-Chart zeigen für die kommenden Jahre sprunghaft steigende Ausschüttungen.

"Haben sachgerecht bewertet": EnBW-Chef Utz Claassen
Die Ermittlungen der Mannheimer Staatsanwaltschaft gegen ihn seien "schon im Ansatz haltlos", sagte Claassen. Für die Bewertung sei überdies nicht er, sondern der ehemalige Finanzvorstand Bernd Balzereit verantwortlich, der nach den Firmenwert-Abschreibungen seinen Hut genommen hatte. "Ich habe uneingeschränktes Vertrauen in die Richtigkeit des Impairment-Tests", betonte der EnBW-Chef.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit Ende 2003 gegen mehrere aktive und frühere EnBW-Manager, darunter den ehemaligen EnBW-Chef Gerhard Goll. In der vergangenen Woche weitete sie die Ermittlungen auf Claassen aus und prüft, ob dieser die Firmenwerte in der Bilanz 2003 zu negativ dargestellt hat, um seine eigene Sanierungsleistung besser aussehen zu lassen.

Ermittlungen auch gegen Gerhard Goll

Bei Goll wird dagegen untersucht, ob er Risiken ignoriert und die Bilanz damit geschönt hat. Unter seiner Führung hatte die EnBW zahlreiche, zum Teil unrentable Unternehmen wie Salamander gekauft.

Im Mai 2003 übernahm Claassen den Vorstandsvorsitz und wies in der Bilanz einen Verlust von 1,19 Milliarden Euro aus. Unternehmensverkäufe ermöglichten EnBW 2004 die Rückkehr in die Gewinnzone und die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung.

Die Aktionäre stimmten am Freitag über eine Ausschüttung von 0,70 Euro je Aktie ab, für 2005 will Claassen soll die Dividende um 25 Prozent steigen lassen. In den Folgejahren sei jeweils eine Erhöhung in der Größenordnung von 20 Prozent geplant, versprach er.

"Alte Abenteuer beendet"

Die Aktionäre lobten Claassen für die Dividendenpolitik und die Sanierung des Unternehmens. "Claassen hat alte Abenteuer beendet", urteilte ein Sprecher der die Aktionärsvereinigung DSW. Kritik erntete die fünfköpfige EnBW-Führungsriege aber für ihre Vergütung, die 2004 insgesamt 9,87 Millionen Euro betrug. "Claassens Gehalt ist stolz und fürstlich", urteilte die Aktionärsvereinigung SdK. Der Vorstandschef kassierte allein 4,2 Millionen Euro.

Nach einem drastischen Schuldenabbau und der Rückkehr in die Gewinnzone hat die EnBW auch im ersten Quartal bei Umsatz und Gewinn kräftig zugelegt. In den Monaten Januar bis März sei das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 36 Prozent auf 537,5 Millionen Euro gestiegen. Der Umsatz habe um 17 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro zugelegt. Im Gesamtjahr 2005 soll die Ertragskraft auch durch fortgesetzte Kosteneinsparungen steigen.

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