Von Fredmund Malik
Dass es so schnell gehen würde, hatte ich nicht erwartet. 1997 schrieb ich in einem meiner Bücher, dass die Doktrin vom Shareholder Value und die darauf aufbauende Corporate Governance zu einer neuen Wirtschaftsfeindlichkeit führen werde und zu neuen Klassenkämpfen. Ich schrieb dort auch, dass die Shareholder Theorie sich als noch kurzlebiger und schädlicher erweisen werde, als ihre Vorgängerin, die Stakeholder Theorie.
Fredmund Malik:
"Kapitalismus? Wir haben stattdessen einen primitiv-vulgären Geldökonomismus"
Schon ab 2000 zeigten sich als Folge der sinkenden Aktienkurse die ersten Risse im System. Man konnte sie noch ignorieren. Nun setzt die Kapitalismus-Kritik auf hoher politischer Ebene ein, insbesondere in Deutschland. Sie wird nicht darauf beschränkt bleiben.
Zweifach gefährlich
Nach den ersten pauschalen Zurückweisungsreflexen, die das alte und in dieser Sache ganz untaugliche Muster von links und rechts bemühten, beginnen auch Vertreter der Arbeitgeber Einsicht zu zeigen. Das Problem fügt sich nicht den Parteifarben.
Kapitalismus ist nicht das passende Wort für das, was kritisiert wird. Wir haben längst nichts mehr, was in einer sinnvollen Weise als Kapitalismus bezeichnet werden kann. Wir haben etwas Schlimmeres, nämlich einen primitiv-vulgären Geldökonomismus, das heißt, ein Wirtschaftsdenken, das alles auf nur gerade eine Größe reduziert, nämlich Geld. Geld, und nicht Kapital ist es, was Denken und Handeln dominiert.
Die Kapitalismus-Kritik kritisiert etwas, was es nicht gibt und was sie nicht verstanden hat. Daher besteht die Gefahr, dass diese Kritik die wirklichen Probleme überhaupt nicht trifft. Es besteht aber die weitere Gefahr, dass sie auch jene Dinge kritisiert, die zwar dem Kapitalismus zugeschrieben werden, mit diesem aber nichts zu tun haben.
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