Freitag, 14. Dezember 2018

Ermittlungen EnBW-Chef unter Verdacht der Bilanzfälschung

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen EnBW-Chef Utz Claassen wegen des Verdachts der Bilanzfälschung. Damit steht der Ruf des erfolgreichen und knallharten Sanierers auf dem Spiel. Der Konzern spricht von "haltlosen" Vorwürfen und "falschen Annahmen".

Hamburg/Stuttgart - Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat gegen den Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW Börsen-Chart zeigen, Utz Claassen, ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bilanzfälschung eingeleitet. Die Schwerpunktabteilung für Wirtschaftskriminalität ermittelt wegen der möglicherweise "unrichtigen Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Gesellschaft in der Rechnungslegung des Jahres 2003", erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag auf Anfrage von manager-magazin.de. Er bestätigte damit einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten".

Im Visier der Staatsanwälte: EnBW-Chef Utz Claassen
Das Unternehmen verhalte sich bei den seit März laufenden Ermittlungen "kooperativ", ergänzte der Sprecher, wollte aber keine weiteren Angaben machen. Es sei noch zu früh, um zu Details Stellung zu nehmen.

Dem Zeitungsbericht zufolge untersuchten die Ermittler massive Wertberichtigungen in der Bilanz, die Claassen bei seinem Amtsantritt im Mai 2003 vorgenommen hatte. So habe Classen zum Beispiel das noch unter seinem Vorgänger Gerhard Goll erworbene 30 Prozent-Paket an den Düsseldorfer Stadtwerken um 208 Millionen Euro abgewertet. Insgesamt beliefen sich die Wertberichtigungen auf rund 1,3 Milliarden Euro. Ende 2003 wies der Energiekonzern darauf hin einen Vorsteuerverlust von 1,1 Milliarden Euro aus.

Claassen wies seinerzeit Spekulationen zunächst zurück, Vorgänger Goll habe ihm eine "Baustelle" überlassen, sprach später aber selbst von "Altlasten". Damit stellte sich die Frage, ob Goll die Beteiligungen in der von ihm zu verantwortenden Bilanz 2002 womöglich zu hoch ausgewiesen habe. Sie hätten sich "noch im legalen Rahmen" bewegt, zitierte die "Stuttgarter Zeitung" Claassen Anfang Feburar. Anderen Berichten zufolge hatte der Vorstandschef öffentlich auch von "konstruktiver Ergebnisgestaltung" gesprochen. Die Wirtschaftsprüfer von Price-Waterhouse-Coopers (PWC) hatten indes beide Bilanzen ohne Einschränkung testiert.

Gerhard Goll: Auch gegen den ehemaligen EnBW-Chef ermitteln die Staatsanwälte noch
Goll geriet damit in den Verdacht der Bilanzfälschung. Die Strafanzeige gegen den ehemaligen Vorstandschef ließ nicht lange auf sich warten. Die Mannheimer Staatsanwälte leiteten gegen Goll ein Ermittlungsverfahren ein, das noch nicht abgeschlossen ist. Dem Bericht der Stuttgarter Nachrichten zufolge habe Goll inzwischen aber die Anwälte davon überzeugen können, dass nicht er, sondern möglicherweise Claassen die Unternehmensbilanz geschönt haben könnte.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH