Mittwoch, 14. November 2018

Dresdner Bank Der Präsident, die Stasi und der Banker

Die Dresdner Bank wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ihr oberster Russland-Repräsentant war nach einem Medienbericht hochrangiger Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR, mit exzellenten Kontakten zum russischen Präsidenten und einstigen KGB-Agenten Wladimir Putin. Der damalige Vorstand Bernhard Walter bestreitet allerdings, dass es geheimdienstliche Verbindungen zu Putin gegeben habe.

Hamburg - Dass Russlands Präsident Wladimir Putin einst für den russischen Geheimdienst KGB im Dresden des Kalten Krieges aktiv war, ist hinlänglich bekannt. Nicht zuletzt aufgrund seiner hervorragenden Sprachkenntnisse bekam er damals den Spitznamen der "Deutsche".

St. Petersburg: Anfang der 90er Jahre war die Metropole an der Newa der Anlaufpunkt für westliche Investoren in Russland
Laut einem Bericht des "Wall Street Journals" (WSJ) soll Putin in dieser Zeit auch Matthias Warnig, heute Chef der Dresdner-Bank-Dependance in Russland, kennen gelernt haben. Warnig habe es nach "WSJ"-Recherchen bei der Staatssicherheit der DDR bis zum Major gebracht. In dieser Funktion soll er Putin geholfen haben, im Westen Spione zu gewinnen.

Wie das "WSJ" in seiner Mittwochausgabe weiter berichtet, habe Warnig später bei der Dresdner Bank angeheuert. Diese habe ihn dann 1991 nach St. Petersburg beordert, um dort das Bankgeschäft aufzubauen. Diesen Umstand bestätigt auch ein früherer hochrangiger Manager der Dresdner Bank gegenüber manager-magazin.de: "Warnig wurde von uns damals nach Russland geschickt, um für die Dresdner Bank eine Banklizenz zu beschaffen".

Verfassungsgerichtsurteil als Schlussstrich

Der damals für das Osteuropa-Geschäft zuständige Dresdner-Vorstand Bernhard Walter ließ diese Schilderung im Gespräch mit manager-magazin.de so nicht stehen. Nicht die Dresdner Bank habe um eine Banklizenz buhlen müssen, sondern die Stadt St. Petersburg habe sich um die Bank als Investor bemüht. Walter wies vor allem die Behauptung des "Wall Street Journals" zurück, dass die guten persönlichen Kontakte des von ihm eingestellten Warnig zu Putin, der damals stellvertretender Oberbürgermeister von St. Petersburg war, die Lizenzvergabe begünstigt hätten. Nach seinen Informationen hätten sich Warnig und Putin zudem Anfang der 90er Jahre in Russland erstmals getroffen.

Wladimir Putin: Der russische Präsident soll Banker Warnig schon seit seinen DDR-Zeiten kennen
Walter räumte indes ein, dass die Dresdner Bank damals eine Reise von Putins Gattin Ludmilla zwecks eines Klinikaufenthalts in Deutschland finanziert habe. Nach einem schweren Verkehrsunfall von Frau Putina habe es sich um eine "absolute Selbstverständlichkeit aus rein menschlicher Sicht" gehandelt.

Der spätere Chef der Dresdner Bank bestritt aber, zum Zeitpunkt der Einstellung Warnigs von dessen Stasi-Vergangenheit etwas gewusst zu haben. Er habe Warnig damals als Mitarbeiter des DDR-Wirtschaftsministeriums kennen gelernt. Eine Überprüfung Warnigs habe keinen Hinweis auf die Stasi ergeben. Erst später habe Warnig ihm in einem persönlichen Gespräch offenbart, dass gegen ihn in Sachen Stasi-Mitarbeit ermittelt werde. Kurz danach gab es schon ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das quasi einen Schlussstrich unter die Stasi-Machenschaften zog. Damit war der Fall auch für die Dresdner Bank erledigt.

Nach Informationen von manager-magazin.de hat es zuvor in der Tat ein Ermittlungsverfahren des Bundeskriminalamtes in Sachen Warnig gegeben. Der Generalbundesanwalt am Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat den Informationen zufolge die Ermittlungen ergebnislos eingestellt. Warnig war von manager-magazin.de bisher telefonisch nicht zu erreichen, da er in Russland Urlaub macht.

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