Mittwoch, 19. Dezember 2018

Deutsche Bank Kanzlerschelte für Josef Ackermann

Gerhard Schröder hat die Personalpolitik der Deutschen Bank scharf angegriffen. "Ich empfehle den Herren, sich die Philosophie Herrhausens zu Gemüte zu führen," sagte der Bundeskanzler. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun, TUI-Chef Michael Frenzel und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt stellten sich vor die Manager der Deutschen Bank.

Berlin/Frankfurt/Main - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich in die Debatte um den Stellenabbau bei der Deutschem Bank eingeschaltet und vom größten deutschen Geldinstitut mehr soziale Verantwortung eingefordert.

Soll sich nach dem Willen des Kanzlers Herrhausen zum Vorbild nehmen: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann
Dem Management der Deutschen Bank empfahl Schröder dessen früheren Vorstandssprecher Alfred Herrhausen als Vorbild, der die Bank stets auch in der Pflicht gegenüber den Beschäftigten und dem Land gesehen habe. "Ich empfehle den Herren, die derzeit das Unternehmen führen, sich diese Philosophie noch einmal zu Gemüte zu führen", sagte der Kanzler der "Welt am Sonntag".

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt stellte sich nach der Kanzler- Schelte vor die Deutsche Bank. Eine Voraussetzung, um der sozialen Verantwortung gerecht zu werden, sei für jedes Unternehmen ein ausreichender Gewinn, sagte Hundt im "Deutschlandfunk". "Und welche Maßnahmen in einem Unternehmen hierfür Voraussetzung und erforderlich sind, das kann nur im Unternehmen entschieden werden." Ähnlich äußerte sich DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. Die Sozialdemokraten hätten die Wirtschaft nicht verstanden, "wenn sie meinten, sie könnten den Stellenaufbau befehlen", sagte Braun der "Leipziger Volkszeitung" (Montag).

"Ich muss mich doch auch um mein Umfeld kümmern"

Schröder bemängelte, dass Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Personal entlassen will, um die Kapitalrendite auf 25 Prozent zu steigern. "Ich finde, dass derart formalisierte Unternehmensziele immer problematisch sind." Brachialgewalt helfe nicht.

Er als Bundeskanzler könne auch nicht nur quantitative Ziele vorgeben. "Ich muss mich doch auch um mein Umfeld kümmern und mich ständig fragen, kann ich das durchsetzen und wenn ja, was hat das für Folgen?"

Herrhausen war seit 1985 Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Der Manager, der im November 1989 von RAF-Terroristen ermordet wurde, hatte die internationale Ausrichtung der Bank vorangetrieben. Gleichzeitig setzte er sich für eine Entschuldung der ärmsten Länder ein. Zur Macht der Banken sagte Herrhausen einmal: "Es ist nicht die Frage, ob wir Macht haben oder nicht, sondern die Frage ist, wie wir damit umgehen, ob wir sie verantwortungsbewusst einsetzen oder nicht."

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