Sonntag, 9. Dezember 2018

Bush-Sieg "Glänzende Voraussetzung für die neokonservative Revolution"

Im Gegensatz zur Wahl vor vier Jahren ist diese eindeutig zugunsten von Bush ausgegangen, sagt Christian Hacke, Politikprofessor für Amerikawissenschaften in Bonn. Im Interview mit manager-magazin.de erklärt er, warum Bush in der zweiten Amtszeit womöglich moderater werden muss und was passiert, wenn er es nicht wird.

mm.de:

Herr Hacke, die Amerikaner haben gewählt, und ohne das entscheidende Ergebnis aus Ohio genau zu kennen, hat der demokratische Bewerber John Kerry schließlich aufgegeben. Ist dieses Wahlergebnis geeignet, die tiefe Spaltung der amerikanischen Gesellschaft nach vier Jahren Bush zu überwinden?

Christian Hacke ist Politikwissenschaftler an der Universität Bonn und Autor mehrerer Standardwerke zu Amerikastudien.
Hacke: Das kommt auf Bushs Politik an. Da stehen drei Wege offen. Die ersten zwei: Entweder er macht weiter wie bisher und pflegt maßvoll den revolutionären Ansatz, oder er betont das neokonservative und das unilaterale Moment sogar noch stärker. Unter dem Stichwort Anpassung bedeutet das: Dieser Präsident würde vom Rest der Welt und seinen politischen Gegnern in den USA verlangen, sich stärker an seine Politik und die der USA anzupassen. Auf dem anderen Extrem könnte Bush als dritte Möglichkeit Anpassung umgekehrt buchstabieren und sich wie sein Vorbild Ronald Reagan in der zweiten Amtszeit an die Umstände anpassen. Das würde die innenpolitisch die Spaltung des Landes verringern helfen.

mm.de: George W. Bush hat gleichzeitig mit der zweiten Amtszeit eine solide Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus gewonnen. Warum sollte er sich moderater geben?

Hacke: Ja warum? Aus der Innenpolitik ist da kein Impuls zu erwarten. Das könnte nur passieren, wenn ihm nichts anderes übrig bleibt, und im Irak sieht es zurzeit danach aus. Wir werden auf jeden Fall erleben, dass er im Kongress ein Betrag von 70 bis 100 Milliarden Dollar für den Irak fordern will. Das wird er nicht alleine schultern wollen, und wenn er diese Bürde auf die Schultern anderer Staaten oder Institutionen wie die Uno oder die Nato verteilen will, dann muss er auch einen anderen Stil pflegen.

mm.de: Reicht denn ein etwas anderer Umgangston aus?

Hacke: Wir müssen unterscheiden zwischen Substanz der Politik und der Stilelemente. Und alles wozu George W. Bush bereit sein wird, ist im Stil etwas gefälliger und geschmeidiger zu werden. In der Substanz wird er sich durch das Wahlergebnis bestätigt sehen.

mm.de: Das heißt konkret?

Hacke: Das heißt vor allem, dass er mit aller Konsequenz den Terrorismus weiter bekämpfen wird, so wie er das für richtig hält.

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