Mittwoch, 21. November 2018

BHF-Bank Sal. Oppenheim zahlt 600 Millionen Euro

Die Zukunft der BHF-Bank ist gesichert. In vier Wochen will das Bankhaus Sal. Oppenheim den Vertrag zur Übernahme des größeren Konkurrenten unterschreiben. Die Übernahme erfolgt ganz im Stil der distinguierten Privatbank auf die sanfte Methode.

Hamburg - Die BHF-Bank behalte ihr Management und werde in eine neue Aktiengesellschaft ausgegründet. "Die neue BHF bleibt eine eigenständige AG" zitiert die "Financial Times Deutschland" Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Auch auf tiefgreifende Eingriffe in die Struktur der angeschlagenen BHF-Bank will Sal. Oppenheim verzichten.

ING BHF Bank: Mit der Übernahme der BHF-Bank steigt Sal. Oppenheim zu einer der größten Privatbanken Europas auf
Die Vertragsunterzeichnung sei für den 2. Dezember in Frankfurt vorgesehen, sagte von Krockow der Zeitung weiter. Der Preis der BHF-Teile, die sein Institut übernehme, werde bei rund 600 Millionen Euro liegen. Die wirtschaftliche Übernahme sei für den 1. Januar 2005 angepeilt.

"Stehen nicht für Entlassungen"

Kosteneinsparungen seien beim Kauf der Bank nicht das Motiv, sie wären nur das Sahnehäubchen. Trotzdem soll sich die Transaktion für Sal. Oppenheim schon 2005 auszahlen: "Wir streben eine Mindestrendite von 15 Prozent an", sagte Graf von Krockow.

Ende September hatte sich Sal. Oppenheim im Grundsatz mit der Amsterdamer ING Groep auf die Übernahme geeinigt. Mit der Übernahme der größeren BHF-Bank wächst Sal. Oppenheim zu einer der größten europäischen Privatbanken. Mit einer Bilanzsumme von 64,6 Milliarden Euro ist die BHF fast sieben Mal so groß wie Sal. Oppenheim (9,6 Mrd Euro).

ING hatte die BHF-Bank zunächst an die Commerzbank und später an die US-Finanzinvestoren Cerberus und Blackstone verkaufen wollen. In allen Fällen wären Arbeitsplätze bedroht gewesen. Sprecher von Krockow sagte der "Financial Times Deutschland": "Oppenheim steht nicht für Restrukturierung und Entlassungen."

Oppenheim nimmt die Sahnstücke

Sal. Oppenheim übernimmt allerdings nur die Teile der BHF, die zum eigenen Geschäft passen. Das Firmenkreditgeschäft geht weitgehend an die HypoVereinsbank, faule Kredite bleiben bei der ING. Gleichzeitig wurden bisherige BHF- Führungskräfte weiter verpflichtet, die nun selbständig eine Strategie für die Bank entwickeln sollen.

Die BHF-Bank, die seit 1999 zu ING-Gruppe gehört und einst zu den ersten Adressen in der deutschen Bankenlandschaft zählte, befindet sich im Umbau. Das Institut war in den vergangenen Jahren in die roten Zahlen geraten, kehrte Anfang 2004 aber wieder in die Gewinnzone zurück. Mitte 2004 lag die Zahl der Beschäftigten bei 2400. Gegen einen möglichen Verkauf an die Commerzbank hatte es in der BHF-Bank Widerstand gegeben, weil dieser zu einem hohen Stellenabbau geführt hätte.

Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim, deren persönlich haftender Gesellschafter und Sprecher zwischen 1992 und 1998 unter anderem der frühere Bundesbankpräsident Karl-Otto Pöhl war, erwirtschaftete 2003 einen Reingewinn von 83 Millionen Euro. Das Bankhaus verwaltet ein Vermögen in Höhe von mehr als 60 Milliarden Euro.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH