Samstag, 18. November 2017

Arend Oetker "Kerry kann für uns sehr teuer werden"

Bush oder Kerry? Was haben Deutschland und Europa vom künftigen US-Präsidenten zu erwarten? BDI-Vize Arend Oetker lobt im Interview mit manager-magazin.de Amtsinhaber Bush und warnt vor Kerrys Plänen, einen Beitrag Deutschlands im Irak zu fordern.

mm.de:

Herr Oetker, der Irak-Krieg sorgte für Zerwürfnisse zwischen den USA und Deutschland. Haben sich die Gemüter inzwischen wieder abgekühlt?

"Kerry würde die Europäer stärker einbeziehen, aber auch stärker fordern.":
BDI-Vizepräsident Arend Oetker
Oetker: Das Verhältnis hat sich zweifellos verbessert. Die Regierungschefs sind wieder "on speaking terms" und gemeinsam darum bemüht, die Situation im Irak in einen besseren Zustand zu bringen.

mm.de: Haben die USA auch ein eigenes Interesse daran, die Beziehungen zu Deutschland wieder zu verbessern?

Oetker: Ich glaube, das ist in den vergangenen Wochen im Wahlkampf sichtbar geworden. Es war ja die Position von John Kerry in der Debatte, dass man seine Alliierten mehr einbeziehen muss - und nicht nur diejenigen, die unbedingt wollen, also die "Koalition der Willigen". Sondern auch diejenigen sind wieder gefragt, die sich etwas schwerer tun, den amerikanischen Weg von vornherein mitzugehen.

mm.de: Was hätte Europa und vor allem Deutschland von einem Präsidenten John Kerry zu erwarten?

Arend Oetker, Urenkel des Nahrungsmittelkonzern-Gründers August Oetker, fungiert als Unternehmer und Multifunktionär zugleich. Nach dem Studium sanierte der Betriebswirt und promovierte Politologe die Schwartauer Werke, die Konfitüre und Backzutaten herstellen. Heute leitet der 65-Jährige den Aufsichtsrat des Unternehmens. Zudem engagiert sich Oetker unter anderem als Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und als Vorsitzender der Atlantik-Brücke, die sich um Verständigung zwischen Deutschland und den USA bemüht.
Oetker: Kerry würde die Europäer stärker einbeziehen, aber auch stärker fordern. Denken Sie an einen möglichen Beitrag Deutschlands für den Irak, wie ihn Kerry in all seinen Äußerungen angedeutet hat. Das kann für uns sehr teuer werden - wenn Kerry Präsident wird.

In der Handelspolitik können wir auch Schwierigkeiten bekommen, wenn sich Kerrys protektionistische Töne wirklich in aktives Handeln verwandeln. Es ist aber öfter schon vorgekommen, dass Kandidaten in Präsidentschaftswahlkämpfen protektionistischer geredet haben, als sie später agiert haben.

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