Samstag, 27. August 2016

Deutschlands Zukunft Rettet den Kapitalismus!

Die Marktwirtschaft ist die bislang produktivste Wirtschaftsform. Kein anderes System garantiert dasselbe Maß an Freiheitsrechten. Doch wenn sich der Kapitalismus vom Gesellschaftlichen löst und zur Weltanschauung wird, muss er versagen, warnt Strategie-Experte Bolko von Oetinger zum Auftakt der fünfteiligen mm.de-Serie.

"Rettet den Kapitalismus!" Klingt diese Aufforderung nicht überzogen, ja geradezu absurd? Wenn etwas, in welthistorischen Maßstäben gesehen, keiner Rettung bedarf, dann ist es doch wohl der Kapitalismus.

zunächst in Menlo Park und Paris, danach in München. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Themen Strategie, Organisation und Innovation.

Seit 1981 verantwortet Oetinger die Kronberger Konferenzen - das deutsche Topmanagement-Forum der BCG. Seit 1998 leitet er das BCG-Strategieinstitut und lehrt als Gastdozent an der WHU bei Koblenz, von der er 2004 zum Honorarprofessor ernannt wurde.
Worum geht es also, wenn wir, das Strategieinstitut der Boston Consulting Group, dazu aufrufen, den Kapitalismus zu retten?

Es geht nicht darum, Einzelunternehmen oder ganze Branchen zu retten. Diese werden nach den unvermeidlichen Marktgesetzen immer wieder aufsteigen und zugrunde gehen.

Es geht auch nicht um die Rettung des Kapitalismus vor seinen traditionellen Systemkritikern. Deren intellektuelles Potenzial hat sich mit der historischen Zäsur von 1989 ziemlich erschöpft.

Wohl aber geht es uns um die Rettung des Kapitalismus vor seinen blinden Liebhabern. Denn der Kapitalismus ist etwas zu Wertvolles, um ihn diesen allein zu überlassen.

Was vor diesen blinden Liebhabern in Schutz genommen werden muss, ist das Selbstverständnis eines Kapitalismus, der seine gesellschaftlichen Verankerungen wieder erkennt, respektiert und pflegt. Jede Wirtschaftsform ist stets in eine bestimmte Kultur und Gesellschaft eingebettet. Eine Spannung zwischen Gesellschaft und Kultur auf der einen Seite, der Ökonomie auf der anderen Seite ist deshalb ganz normal.

Aber mittlerweile - und das ist die Sorge, die uns, die Autoren dieser Artikelserie, umtreibt - ist dieses Spannungsverhältnis aus der Balance geraten. Das Pendel ist zu weit in Richtung Ökonomie ausgeschlagen.

Die Ursachen dieser Bewegung sind in der phänomenalen Erfolgsgeschichte des Kapitalismus zu finden. Der Kapitalismus ist die bislang produktivste Wirtschaftsform.

Aber weiß er noch um die sozialen und kulturellen Grundlagen seines Erfolgs? Die wachsende Überbetonung des Ökonomischen, die wir seit Jahren erleben, hat zu erheblichen Verwerfungen geführt. Genau diese Entwicklung hat jetzt die Kultur auf den Plan gerufen.

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