Freitag, 20. Oktober 2017

BCG-Studie Warum die Globalisierung ein Muss ist

Die Verlagerung der Beschaffung, Forschung und der Produktion aus Hochkostenländern nimmt immer rascher zu, analysiert eine Studie der Boston Consulting Group. manager-magazin.de präsentiert die wichtigsten Inhalte.

Emerging Markets wachsen in atemberaubendem Tempo. Im Jahr 2002 importierten deutsche Unternehmen erst sechs Prozent des gesamten Industrieverbrauchs in Höhe von 1,5 Billionen Euro aus Niedrigkostenländern (NKL). Doch das Wachstumstempo ist enorm: Von 1997 bis 2002 nahmen die deutschen Importe aus NKL im Jahresdurchschnitt um zwölf Prozent zu.

Risiko Verdrängung: Die Einfuhren aus Ländern mit niedrigen Kosten setzen deutschen Unternehmen immer mehr zu
China war mit einem Anteil von 21,1 Milliarden Euro an den deutschen Industrieimporten der größte Einzellieferant. Mehr als die Hälfte der deutschen Industrieimporte aus NKL stammten 2002 jedoch aus Osteuropa. An erster Stelle liegt Tschechien (16,2 Mrd. Euro), gefolgt von Polen (14,2 Mrd. Euro) und Russland (13,0 Mrd. Euro).

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Mindestens ebenso wichtig ist die andere Seite: Als Absatzmärkte erlangen die Emerging Markets eine immer höhere Bedeutung. Beispielsweise beträgt die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen in China schon das 1,7-fache der Nachfrage in den USA. Und die Wachstumsraten im Reich der Mitte - wie in vielen anderen NKL auch - sind enorm: So wächst der Bedarf an Telekommunikationsausrüstungen in China um 18 Prozentpunkte mehr als in den USA. Auf lange Sicht werden die NKL die einzigen wirklichen Wachstumsregionen weltweit sein.

Globalisierung ist nicht mehr nur eine Option, sondern ein unabdingbares Muss. Die Verlagerung der Beschaffung, Forschung und Entwicklung sowie Produktion aus Hochkostenländern (HKL) in NKL ist in vollem Gange und nimmt rasch zu. Eine wesentliche Ursache hierfür sind die Arbeitslöhne: Inklusive Nebenkosten und Zuwendungen betragen sie in den NKL nur etwa ein bis zwei US-Dollar pro Stunde, während es in den HKL bis zu 30 US-Dollar sind. Dadurch werden insbesondere alle Produkte und Leistungen mit einem hohen Lohnkostenanteil wesentlich günstiger.

Werden zum Beispiel Dienstleistungen nach Indien verlagert, können die Kosten um 50 bis 60 Prozent gesenkt werden; in Osteuropa wären es immerhin noch 30 bis 40 Prozent. Die "Machbarkeit" von Verlagerungen wird unterstützt durch Fortschritte in der Telekommunikation und Verbesserungen in der Logistik - sie ermöglichen etwa die globale Zusammenarbeit verschiedenster Forschungs- und Entwicklungsstandorte.

Hinzu kommt, dass niedrige Kosten nicht mehr gleichbedeutend sind mit einer niedrigen Qualität. Unternehmen aus HKL können heute viele Produkte und Komponenten vom anderen Ende der Welt in vergleichbarer Qualität, aber zu wesentlich niedrigeren Kosten beschaffen. Der Anteil qualifizierter und hoch motivierter Mitarbeiter in den NKL wächst beständig.

Die Infrastruktur wird ebenfalls ausgebaut, die Bildungssysteme werden modernisiert und die betriebliche Aus- und Weiterbildung professionalisiert. Die meisten NKL wissen, dass sie von einer liberalen Wirtschaftspolitik profitieren, und schaffen entsprechend günstige Voraussetzungen. Außerdem ist es den NKL gelungen, vom Wissen multinationaler Konzerne zu lernen, die bereits vor Ort sind.

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