Donnerstag, 15. November 2018

Mannesmann-Prozess Schlussspurt ohne Scott Mead

Mit der Vernehmung zweier Ex-Aufsichtsräte von Mannesmann endet die Zeugenbefragung im spektakulärsten Wirtschaftsprozess der deutschen Geschichte. Richterin Brigitte Koppenhöfer will die Beweisaufnahme abschließen. Die Anwälte von Ex-Vorstandschef Klaus Esser und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann deuten die Ankündigung positiv.

Düsseldorf - Der im Januar begonnene Prozess um die umstrittenen Millionenprämien bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone Börsen-Chart zeigen steht vor seinem Ende.

Erwarten einen Freispruch in den nächsten Wochen: Der ehemalige Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser (M.) und seine Anwälten Sven Thomas (l.) und Jürgen Welp (r.) im Düsseldorfer Landgericht, Saal L 111
Richterin Brigitte Koppenhöfer kündigte am heutigen Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht an, am 16. Juni die Beweisaufnahme schließen zu wollen, wenn keine weiteren Beweisanträge gestellt würden. Die Staatsanwaltschaft könne dann am 24. Juni mit ihrem Schlussvortrag beginnen.

Danach sollten die Rechtsanwälte folgen. Vertreter der Staatsanwaltschaft sagten, sie planten derzeit keine weiteren Beweisanträge.

In einer Zwischenbilanz hatte die Kammer erklärt, dass sich der Vorwurf der Untreue gegen die sechs Angeklagten im Prozess nicht erhärtet habe. Angeklagt sind unter anderem Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser. Essers Anwalt Sven Thomas sagte, er rechne nun in Kürze mit einem Freispruch für seinen Mandanten.

Diskussion um Steuermilliarden tangiert Prozess nicht

Ackermanns Anwalt Klaus Volk sagte, die Verteidigung Ackermanns gehe davon aus, dass ein Urteil am 19. Juli ergehen könnte. Die Verteidigung rechne weiter mit einem Freispruch für Ackermann. "Das rechtliche Zwischenfazit hat sich nicht geändert", sagte Volk.

Wegen der bei der über 180 Milliarden Euro teuren Firmenübernahme vor vier Jahren geflossenen Millionen-Zahlungen verhandelt das Gericht gegen sechs Manager wegen schwerer Untreue oder Beihilfe zur Untreue. Allein Esser hatte nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Telekom-Konzern gut 30 Millionen Euro erhalten.

Die Übernahmeschlacht war in den vergangenen Tagen wieder in die Schlagzeilen geraten, nachdem Vodafone bei den Steuerbehörden eine Teilwertabschreibung auf den Mannesmann-Konzern geltend gemacht hatte. Die Wertminderung wurde auf 50 Milliarden Euro beziffert. Essers Anwalt Thomas sagte, diese Vorgänge hätten keinerlei Einfluss auf das Verfahren.

Optimistische Mienen: Josef Ackermann (l.), Vorstandschef der Deutschen Bank mit Verteidiger Klaus Volk (r.)
Ackermann hatte zuletzt bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank betont, der Prozess sei zwar eine Belastung, habe sein Engagement für die Bank aber nicht beeinträchtigt. "Ich habe zudem die Hoffnung, dass dieses Verfahren bald zu Ende sein wird", hatte er unterstrichen. Im Herbst hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sogar überprüft, ob Ackermann angesichts der Belastung durch den Prozess sein Amt als Vorstandssprecher weiter ausüben kann.

Wegen des Prozesses hatte Deutschlands größte Bank in der Regel an jedem Mittwoch und Donnerstag einer Woche auf ihren Chef verzichten müssen. In ihrer Düsseldorfer Zentrale hatte das Institut eigens ein Büro für Ackermann eingerichtet. Der Kurs der Deutsche Bank-Aktien lag am Mittag mit 67,11 Euro um 0,80 Prozent im Plus. Die Papiere legten damit stärker zu als der Deutsche Aktienindex (Dax).

Investmentbanker Scott Mead muss nicht aussagen

Noch in der vergangenen Woche hatte eine monatelange Verzögerung des Prozesses gedroht, als die Staatsanwaltschaft andeutete, möglicherweise über ein Rechtshilfeersuchen an Großbritannien den ehemaligen Goldman Sachs- Investmentbanker Scott Mead als Zeugen vorladen zu wollen. Goldman Sachs war bei der Transaktion als Berater für Vodafone tätig.

Koppenhöfer hatte die Anklage gewarnt, ein solches Ersuchen könne sich über Monate hinziehen. Eine Sprecherin der Anklage sagte nun aber, die Pläne seien vom Tisch. Die Anwälte Ackermanns betonten, die Vorbereitungen für das Ende des Prozesses kämen nicht mehr überraschend, da die Staatsanwälte sich bereits in den vergangenen Tagen bei der Kammer nach möglichen Terminen für ihre Schlußplädoyers erkundigt hätten. Die Anwälte hatten der Staatsanwaltschaft mehrfach vorgeworfen, den Prozess verschleppen zu wollen.

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