Donnerstag, 20. September 2018

Corporate Governance Wenig dazugelernt

Die Arbeit deutscher Aufsichtsräte hat sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Zu diesem Urteil kommt die Unternehmensberatung Deloitte in einer aktuellen Studie. Rolf Epstein und Peter Ruhwedel analysieren für manager magazin die Kernergebnisse.

Ausgelöst durch zahlreiche Gesetzesinitiativen und einen verstärkten Kapitalmarktdruck haben sich in den letzten Jahren die Anforderungen an die Corporate Governance, und damit an die Aufsichtsratstätigkeit, gravierend weiterentwickelt.

Rolf Epstein ist verantwortlicher Partner und Leiter der Performance Management Group bei Deloitte Consulting. In diesem Gastbeitrag stellt er die zentralen Ergebnisse der Deloitte-Studie "Aufsichtsratspraxis in Deutschland 2004" vor.
Die Unternehmensberatung Deloitte hat daher aufbauend auf einer Studie aus dem Jahr 2002 die Aufsichtsratspraxis in Deutschland erneut untersucht und die Aufsichtsratsvorsitzenden der größten deutschen Aktiengesellschaften zum Status quo in den Überwachungsgremien befragt.

Die Studienergebnisse lassen erkennen, dass sich die Aufgabenwahrnehmung durch deutsche Aufsichtsräte in Deutschland verbessert hat. Doch noch immer fehlen zum Teil wesentliche Voraussetzungen für eine funktionsfähige Überwachung. Im Einzelnen lassen sich folgende Trends erkennen:

Der Rollenwechsel des Aufsichtsrats vom bloßen Kontrolleur zum aktiven Player in den strategischen Managementprozessen ist zumindest in der Selbstwahrnehmung der Befragten endgültig vollzogen. Dennoch sehen nahezu die Hälfte der Befragten Aufgaben, die eigentlich zum Kernbereich des Aufsichtsrats gehören, in der Verantwortung des Vorstands.

Aufsichtsratsorganisation verbessert

Die Schaffung einer funktionsfähigen Organisationsstruktur zählt zu den wichtigsten Pflichten des Aufsichtsrats. Aufgrund der rechtlich fixierten Größe steht dabei die Einrichtung von Ausschüssen im Mittelpunkt der aktuellen Reformbemühungen. Entsprechend nimmt der Anteil der Unternehmen, die zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Ausschüssen weitere einrichten, auf 85 Prozent zu. Dagegen nimmt die Ressortierung im Vergleich zur ersten Studie nochmals deutlich auf 20 Prozent ab.

Die Studie: Die Arbeit deutscher Aufsichtsräte hat sich in den vergangenen Jahren nicht nachhaltig verbessert. Zu diesem Urteil kommt die internationale Unternehmesberatung Deloitte. Die komplette Studie finden Sie hier zum Herunterladen .
Eine mögliche Ursache könnte darin bestehen, dass Ausschüsse im Vergleich zu einer Ressortierung den gerade in großen Gremien erforderlichen Interessenpluralismus begünstigen. Dies verkennt jedoch den großen Nutzen einer Ressortierung, die es vor dem Hintergrund immer komplexerer Unternehmensprozesse ermöglichen würde, Wissensvorsprünge einzelner Aufsichtsratsmitglieder zu nutzen.

Die rechtlich festgelegten Aufgaben des Aufsichtsrats und seine vom Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) geforderte aktive Einbindung in das Unternehmensgeschehen stellen hohe Anforderungen an die Informationsversorgung der Aufsichtsratsmitglieder. Ähnlich wie der Vorstand sind sie auf ein aussagekräftiges Reporting angewiesen. Die Informationsversorgung des Aufsichtsrats war jedoch lange Zeit stark abhängig vom überwachten Vorstand selbst. Umso erfreulicher ist es, dass sich die Quantität der verfügbaren Informationen verbessert hat.

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