Donnerstag, 25. August 2016

Getränkeindustrie Der große Schmu mit Tafelwasser

Wasser ist nicht gleich Wasser. Das weiß eigentlich jedes Kind. Aber warum verkauft sich dann überhaupt Tafelwasser, das nur aufgemotztes Leistungswasser ist? Häufig ist es sogar noch teurer als Mineralwasser.

Hamburg - Es ist eine der einfachsten und erfolgreichsten Geschäftsideen, die man sich vorstellen kann: Wasser zu verkaufen. Über 30 Milliarden Euro betrug der Umsatz der Getränkeindustrie weltweit im Jahr 2003 mit dem Verkauf von Wasser, abgefüllt in Flaschen, Dosen und Kartons. Und in den vergangenen Jahren konnten sich die Abfüller über steigende Umsatzzahlen freuen.

Weltweit steigt die Nachfrage nach Wasser
Höchst verschieden sind allerdings die Qualitäten der Wässerchen. Längst nicht jedes Wasser darf sich Mineralwasser nennen.

Ganz unten auf der Hierarchie rangiert das wohlklingende Tafelwasser - ein künstlich hergestelltes Produkt, das meist aus Trinkwasser als Grundsubstanz und weiteren Zutaten besteht, zum Beispiel Meerwasser, Sole, Mineralstoffen und Kohlensäure. Anders als Mineralwasser muss Tafelwasser in der Gastronomie nicht in der Originalverpackung serviert werden. Es darf auch in Kanistern, Fässern oder Schläuchen gelagert werden.

Die Hersteller von Tafelwasser schweigen sich vornehm über die Substanzen aus. Coca Cola beispielsweise erwähnt auf seiner Unternehmenseite mit keinem Wort wie sich Bonaqa konkret zusammensetzt. Dafür bringt "Bonaqa bringt Ausgleich im Alltag". Und weiter heißt: "Die wichtigsten Merkmale dieses Tafelwassers der Spitzenklasse sind sein klarer, abgerundeter Geschmack und die gleichbleibende Qualität. So ist der Genuss von Bonaqa mit Sicherheit jedesmal ein Vergnügen."

Johannes B. Kerner warb mit Millionen-Gehalt für Bonaqa

Wie auch immer: Bonaqa, für das der prominente TV-Entertainer Johannes B. Kerner als Werbefigur in den Ring stieg, ist ein Tafelwasser, das zu 99,9 Prozent aus normalem Leitungswasser besteht und von den regionalen Wasserwerken geliefert wird. Beispiel Soest: Das Coca-Cola Werk ist eines von zehn Abfüllbetrieben für Bonaqa in Deutschland. Es wird von Stadtwerken Soest mit gechlortem Leitungswasser beliefert. Die Chlor-Behandlung dient der Entkeimung und ist bei allen Wasserwerken üblich.

Ein Sprecher von Coca Cola Deutschland verweist auf Nachfrage von manager-magazin.de, dass der Wert von Bonaqa durch den Verarbeitungsprozess entsteht. Verwunderlich: Denn Leistungswasser genießt in Deutschland einen hohen Stellenwert und hat eine hohe Qualität.

Was die ganze Sache noch verrückter macht: Tafelwasser wie Bonaqa sind zum Teil teurer als Mineralwässer - und werden nicht selten oft 100- bis 1.000-mal teurer verkauft als Trinkwasser. Getränkekonzerne wie Coca Cola machen mit dem Tafelwasserverkauf den großen Reibach. Die Nachfrage von Bonaqa war mit 170 Millionen Liter im vergangenen Jahr genau so hoch wie in 2002. Für den Bundesverband der Verbraucherzentralen ist die Preispolitik aber nicht zu kritisieren. "Das ist gesundes Unternehmertum", sagt Sprecherin Angelika Michel.

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