Montag, 17. Dezember 2018

Lloyd Werft Gekenterte "Pride of America" löst Insolvenz aus

Als das Kreuzfahrtschiff "Pride of America" Mitte Januar im Hafenbecken von Bremerhaven kenterte, war klar, dass der Werft ein Millionenschaden entsteht. Nun steht fest, dass die traditionsreiche Lloyd Werft durch das Sturm-Unglück sogar in die Insolvenz getrieben ist.

Bremerhaven - Die Werft hat den Insolvenzantrag am Montagvormittag beim Bremerhavener Landgericht eingereicht. Das bestätigte ein Gerichtssprecher. Insolvenzverwalter wird Wolfgang van Betteray aus Düsseldorf, der auch nach der Pleite der KirchGruppe aktiv wurde. Nach dem Konkurs des Bremer Vulkan-Verbundes 1996 war von Betteray schon einmal Vergleichsverwalter der Lloyd Werft und führte sie aus der Krise.

Rohbau mit Schräglage: Eigentlich sollte die "Pride of America" im April ausgeliefert werden - die Bergung aber ist noch immer nicht abgeschlossen
Am frühen Montag hatte es eine Betriebsversammlung in der Werft gegeben, an der auch Bremens Wirtschaftssenator Hartmut Perschau (CDU) teilnahm. Werft-Chef Werner Lüken sagte im Rahmen einer Pressekonferenz: Es treffe "ein florierendes Unternehmen, das durch das Unglück vom 14. Januar in diese Lage gekommen ist". An diesem Tag war die "Pride of America" havariert.

Am Wochenende waren laut Presseberichten Bemühungen gescheitert, eine Bürgschaft des Landes Bremen zu erhalten. Dabei soll es um eine Summe von 15 Millionen Euro gegangen sein. Insgesamt wird der Finanzbedarf der Werft auf 40 bis 50 Millionen Euro geschätzt. In den vergangenen Wochen verhandelte die Werft-Führung mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der Commerzbank und der Bremer Wirtschaftsbehörde.

US-Reeder lässt sich alle Optionen offen

Auslöser der Finanznot ist die Havarie des 300 Millionen Euro teuren Kreuzfahrtschiffes "Pride of America". Noch immer ist unklar, ob die in Miami ansässige Reederei Norwegian Cruise Line (NCL) das Schiff überhaupt übernehmen wird.

Offiziell verpflichtet sind die Norweger dazu nicht mehr, da die Werft den vereinbarten Liefertermin nicht mehr einhalten kann. NCL hat sich bisher nicht offiziell geäußert. Eine Abschlagzahlung von 37,5 Millionen Euro, die Ende Januar fällig gewesen wäre, haben die Norweger verweigert.

Perschau sagte, er sei der Überzeugung, dass das Geschäft der Werft weiterlaufen könne und das Kreuzfahrtschiff zu Ende gebaut werde. Die Chancen für die Rettung seien hoch, die Lloyd Werft sei "völlig intakt". Sie gehöre zu den leistungsfähigsten Kreuzfahrtschiffbauern und Reparaturwerften Europas.

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