Donnerstag, 8. Dezember 2016

Victory-Zeichen Ackermann entschuldigt sich

Die Zähne gebleckt, die Finger zum V ausgestreckt - das Foto, geschossen am Eröffnungstag des Prozesses gegen Josef Ackermann, ging um die Welt. Arrogante Geste oder unglücklicher Schnappschuss? Jedenfalls tut es dem Bankchef leid.

Frankfurt am Main - "Das war so nicht beabsichtigt", sagte der Deutsche-Bank-Chef am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. "Wenn der falsche Eindruck entstanden ist, ich respektiere nicht das Gericht, tut es mir leid."

  Ackermann-Geste im Gericht:  "Die hat das verstanden"
DPA
Ackermann-Geste im Gericht: "Die hat das verstanden"
Der Vorstandssprecher war mit einem Foto in die Schlagzeilen geraten, das ihn in siegesgewisser Pose unmittelbar vor Beginn des Mannesmann-Prozesses zeigte. Auf dem Titel des "Stern" wurde Ackermann damit gar zum Repräsentanten der "Arroganz der Mächtigen". Die "Titanic" startete eine satirische "Solidarität mit Ackermann"-Kampagne.

SPD-Generalsekretär sprach von einer "Verhöhnung der arbeitenden Menschen in Deutschland". Einen solchen Kommunikations-GAU hat die Bank nicht mehr erlebt, seit der damalige Vorsitzende Hilmar Kopper den 50-Millionen-Mark-Schaden, den die Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider zahlreichen Handwerkern zufügte, als "Peanuts" bezeichnete.

"Das ist erledigt"

Ackermann ist zusammen mit anderen Spitzenmanagern wegen Untreue in schweren Fällen angeklagt, weil er dem Mannesmann-Management im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone Millionen-Abfindungen gewährte.

Ackermann erklärte, sein Siegeszeichen sei aus der Situation heraus entstanden. Er habe insgesamt 40 Minuten auf die Richterin gewartet und sei umringt von Fotografen gewesen. Sein Verteidiger habe ihm empfohlen, nicht zu sitzen und nicht in den Dokumenten zu lesen. "Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass da so ein Sturm der Entrüstung losgeht", sagte er.

Ackermanns Anwälte hatten den Blackout des Managers schon vorher zu rechtfertigen versucht. Der Bankchef sei von Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser im Gerichtssaal an den Prozess gegen Popsänger Michael Jackson erinnert worden. Ackermann habe daraufhin spontan das Victory-Zeichen imitiert, mit dem Jackson seine Fans in der Welt begrüßte.

Schriftlich bei der Richterin entschuldigt

Ackermann kritisierte, dass die Medien diese aus dem Zusammenhang gerissene Geste zu einer Kampagne genutzt hätten. "Ich habe Politiker angerufen, die haben gesagt: Das passiert uns täglich und wir haben gelacht." Zur Klärung habe er der Vorsitzenden Richterin einen Brief geschrieben. "Die hat das verstanden. Das ist erledigt."

Der Satz, den der Banker vor Gericht sagte und der ihm nicht weniger Kritik eintrug als die gespreizten Finger, stammt allerdings nicht von Jackson: "Das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen."

Nachrichtenticker

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH