Dienstag, 11. Dezember 2018

Roland Berger Erst Kommission, dann Beratung

Gleich mehrere Verträge hat die Bundesagentur für Arbeit mit der Unternehmensberatung Roland Berger. Sie soll der früheren Bundesanstalt bei der Umsetzung der Hartz-Konzepte helfen. Pikant dabei: Vertreter von Roland Berger saßen auch in der Kommission, die diese Konzepte erarbeitet hat.

Berlin - Trotz der Kritik an der Vergabepraxis bei Beraterverträgen hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) Medienberichten zufolge erneut mit einem externen Berater einen Vertrag in Millionenhöhe abgeschlossen. In diesem Fall scheint es problematische Interessenkreuzungen zu geben.

 Gute Beziehungen: Roland Berger und Gerhard Schröder
DDP
Gute Beziehungen: Roland Berger und Gerhard Schröder
"Focus Online" zitiert aus einer Aufstellung des Bundeswirtschaftsministeriums, das der Redaktion vorliege. Darin heiße es, seit Montag laufe ein Auftrag für die Unternehmensberatung Roland Berger im Zusammenhang mit der Umsetzung des neuen Arbeitslosengeldes II. Der Vertrag mit einer Laufzeit bis Ende 2005 sei mit 2,5 Millionen Euro dotiert. Nach Informationen der "Saarbrücker Zeitung" hat BA-Chef Florian Gerster mit Berger insgesamt sechs Verträge abgeschlossen. Eine Stellungnahme der BA oder Bergers zu den Medienberichten war zunächst nicht erhältlich.

Gegen 12 Uhr teilte der Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit mit, dass er über die Beraterverträge mit der Berger nicht informiert worden sei. "Davon hatte der Verwaltungsrat keine Kenntnis", sagte die Vorsitzende des BA-Verwaltungsrates, DGB- Vize-Chefin Ursula Engelen-Kefer,in Berlin. Nach den ihr vorliegenden Informationen sei der Vertrag aber "auf der Basis einer ordnungsgemäßen Ausschreibung erfolgt". Dies wurde später aus dem Ministerium bestätigt.

Umstrittener Auftrag vom Wirtschaftsministerium

Der Vertrag sei nach ihrer Kenntnis vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Auftrag gegeben und vom Bundesfinanzministerium finanziert worden. Sie lasse dies derzeit überprüfen.

Den Berichten zufolge hatten fünf der BA-Verträge mit Berger eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2004. Dabei gehe es um Beratungsdienstleistungen bei der Umsetzung des Hartz-Konzeptes, das insbesondere verschärfte Zumutbarkeitskriterien für Arbeitslose vorsehe. Die Zeitung zitierte den FDP-Bundestagsabgeordneten Dirk Niebel mit den Worten, es sei "problematisch, wenn jemand Beratung vornimmt für ein Konzept, das er selbst erarbeitet hat." Ein Manager aus Bergers Unternehmensberatung war in der so genannten Hartz-Kommission vertreten. Berger selbst wechselte im Juli 2003 von der Vorstands- an die Aufsichtsratsspitze des von ihm gegründeten Unternehmens.

Gerster hatte am Mittwoch in seiner zweiten Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages erstmals eingeräumt, dass die Vergabe eines Beratervertrages in Millionenhöhe an die WMP EuroCom aus heutiger Sicht ein Fehler gewesen sei. Der Bundesrechnungshof hatte festgestellt, dass die Vergabe des Vertrages zur Kommunikationsberatung im Frühjahr 2003 rechtswidrig war, weil er nicht öffentlich ausgeschrieben wurde.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH