Mittwoch, 12. Dezember 2018

Windkraft-Merger Vestas erhöht Spannweite

Um 40 Prozent schoss der Börsenkurs von NEG Micon in die Höhe, als bekannt wurde, dass Weltmarktführer Vestas den kleineren Konkurrenten schlucken will. Gemeinsam wollen die Spezialisten für Windturbinen jetzt fast drei Milliarden Euro Jahresumsatz erreichen.

Kopenhagen - Die dänischen Hersteller von Windkraftanlagen, Vestas Börsen-Chart zeigen und NEG Micon Börsen-Chart zeigen, schließen sich zusammen. Das Bündnis besiegeln die Nummer 1 und die Nummer 3 am Weltmarkt. Der Kaufpreis liegt bei rund 2,5 Milliarden Dänischer Kronen (409 Millionen Dollar), bezahlt wird in Aktien.

 Hochfliegende Pläne bei Vestas und NEG: Windpark in der Nähe des vorpommerschen Demmin. Deutschland ist der weltgrößte Markt für die umweltfreundlichen Energieerzeuger - in Mecklenburg-Vorpommern werden mehr als elf Prozent des Strombedarfs durch Windkraft erzeugt
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Hochfliegende Pläne bei Vestas und NEG: Windpark in der Nähe des vorpommerschen Demmin. Deutschland ist der weltgrößte Markt für die umweltfreundlichen Energieerzeuger - in Mecklenburg-Vorpommern werden mehr als elf Prozent des Strombedarfs durch Windkraft erzeugt
Die Aktionäre von NEG sollen je Aktie einen neuen Anteilsschein von Vestas erhalten, teilten die beiden Konzerne am Freitag in Kopenhagen mit. Das Umtauschverhältnis entspricht einer Prämie von 36 Prozent auf den gestrigen Schlusskurs der NEG-Aktie. Die Umtauschfrist läuft bis zum 21. Januar 2004. Das fusionierte Unternehmen wird in den nächsten zwölf Monaten eine Kapitalerhöhung starten, durch die voraussichtlich rund 270 Millionen Euro erlöst werden.

Beide Unternehmen hatten im November jeweils eine Gewinnwarnung veröffentlicht, was auf Unsicherheiten auf dem US-Markt sowie Auftragsverschiebungen in Deutschland - dem weltgrößten Markt für Windenergie - zurückzuführen ist. Für 2003 rechnet Vestas nun mit einem um rund 30 Prozent geringeren Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Die Vestas-Umsatzschätzung für 2004 fiel um 100 Millionen auf 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro.

Gewinnwarnungen gingen dem Merger voran

Für das kommende Jahr rechnet das fusionierte Unternehmen nun mit einem Umsatz von 2,7 bis 2,8 Milliarden Euro und einem Weltmarktanteil von mindestens 35 Prozent. Der deutsche Hersteller Enercon erreicht 18 Prozent Marktanteil vor dem spanischen Unternehmen Gamesa (12 Prozent).

Durch den dänischen Zusammenschluss werden voraussichtlich jährlich 67 Millionen Euro eingespart, hieß es. Die neue Gesellschaft wird anfangs 8500 Menschen beschäftigen. Über einen möglichen Stellenabbau sei noch keine Entscheidung gefallen. Gemeinsam hätte man bessere Möglichkeiten, bei den immer größer ausgelegten Offshore-Windparkanlagen auf See sowie bei Großvorhaben an Land eine führende Rolle zu spielen, meldete Vestas.

Nach Auffassung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energie (IWR) in Münster stehen dagegen vor allem schrumpfende Wachstumsraten für die Windenergiebranche im Vordergrund der Fusion. Während im vergangenen Jahr noch 6000 Megawatt Windkraftleistung weltweit neu installiert worden seien, sei in diesem Jahr möglicherweise nur noch mit 5000 Megawatt als Plus zu rechnen. Deswegen stehe der Branche nun eine Fusionswelle bevor. Weltweit beträgt die Windkraftleistung derzeit 36.000 Megawatt.

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