Freitag, 16. November 2018

Erb-Gruppe 400 Millionen verschwunden

Der Zusammenbruch der Schweizer Erb-Gruppe sorgt europaweit für Aufsehen. Gegen die Inhaber ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Es geht um Betrugs- und Urkundendelikte.

Winterthur - Das bestätigte der zuständige Staatsanwalt Christian Weber aus Zürich am Montagabend im Fernsehen. Es sei ein Vorermittlungsverfahren wegen möglicher Betrugs- und Urkundendelikte eingeleitet worden, sagte Weber.

Das Privatunternehmen war am Freitag unter einen Schuldenlast von rund 2,5 Milliarden Schweizer Franken (1,6 Milliarden Euro) zusammengebrochen. Die Gebrüder Rolf und Christian werden wohl ihr gesamtes Privatvermögen im Rahmen der Abwicklung des verschachtelten Konzerns mit über 80 Tochterfirmen und fast 5000 Mitarbeitern verlieren.

Am Dienstag bestätigte Christian Erb Presseberichte, nach denen die Erb-Gruppe von ihrer Verpflichtung für die Hauptursache der Pleite, die deutsche CBB-Holding, entbunden wurde. Das sanierungsbedürftige Kölner Immobilienunternehmen habe die von Erb erhaltene so genannte Patronatserklärung zurückgegeben, mit der die Erb-Gruppe unbeschränkt und unbefristet für die CBB gebürgt und deren Verluste übernommen hatte. Daraus wären weitere Forderungen von einigen hundert Millionen Franken an die Erb-Gruppe ableitbar gewesen. Im Gegenzug verliert die Erb-Gruppe jedoch ihre Forderungen an die CBB.

Vorwurf der Unterschlagung

Nach Angaben von Christian Erb haben die Schweizer Banken "weniger als eine Milliarde Franken an Krediten ausstehend bei uns". Der Rest verteile sich vor allem auf deutsche Banken. Presseberichten zufolge handelt es sich um 90 Millionen Euro bei der Bayerischen Landesbank, knapp 50 Millionen Euro bei der HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen und der WestLB.

Die Verbindlichkeiten der Erb-Gruppe bei 82 Banken belaufen sich auf insgesamt zwei Milliarden Franken; rund 400 Millionen Franken gelten als verschwunden. Christian Erb wehrt sich gegen den Vorwurf, er und sein Bruder hätten Geld unterschlagen. Sie hätten nach dem Tod ihres Vaters, Gründer der zusammengebrochenen Erb-Gruppe, mit ihrem privaten Vermögen gebürgt, sagte er am Montagabend im Fernsehen.

Der Kollaps der Erb-Gruppe gilt als die zweitgrößte Firmenpleite in der Schweiz nach der Zahlungsunfähigkeit der Fluggesellschaft Swissair. Sie besteht aus vier Konzernbereichen mit insgesamt 85 Firmen. Das ursprüngliche Kerngeschäft Autohandel ist in der Herfina AG zusammengeschlossen. Herfina ist der zweitgrößte Autoimporteur der Schweiz. Neben dem Autogeschäft ist der Kaffeehandel mit dem weltweit zweitgrößten Kaffeehändler Volcafe wichtiger Umsatzträger. Jetzt wurde über ihre Beteiligungstochter Uniinvest der Konkurs eröffnet; die übrigen Konzernbereiche gehen in die so genannte Nachlassstundung. Damit werden die Zahlungsunfähigkeit festgestellt und das Restvermögen begutachtet.

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