Freitag, 14. Dezember 2018

IWKA Wyser-Pratte steigt ein

Bei Rheinmetall machte er Kasse, bei Babcock Borsig und Mobilcom verbrannte er sich die Finger. Jetzt versucht Vietnam-Veteran und Firmenjäger Guy Wyser-Pratte erneut sein Glück in Deutschland. Ziel des Angriffs: Der Maschinen- und Anlagenhersteller IWKA.

Hamburg - Einst sorgte Guy Wyser-Pratte bei deutschen Managern für Angst und Schrecken. Besonders auf an den Börsen bisher kaum beachtete Unternehmen hatte es der US-Investor abgesehen. Sein Meisterstück war der Einstieg beim Rüstungskonzern Rheinmetall Börsen-Chart zeigen. Nachdem sich der Aktienkurs verdoppelt hatte, zahlten die Mehrheitseigner den ungeliebten Raider, der penetrant einen Strategiewechsel gefordert hatte, entnervt aus.

 Wieder auf Deutschland-Kurs: US-Investor Guy Wyser-Pratte
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Wieder auf Deutschland-Kurs: US-Investor Guy Wyser-Pratte
Weniger Glück hatte der Vietnam-Veteran dann bei seinen folgenden Deals in Deutschland. Sowohl bei Babcock Borsig Börsen-Chart zeigen als auch bei Mobilcom Börsen-Chart zeigen dürfte seine Rechnung nicht aufgegangen sein.

Nun also IWKA Börsen-Chart zeigen. Wie Wyser-Prattes deutscher Partner Markus Elsässer am Dienstag gegenüber manager-magazin.de bestätigte, ist der Amerikaner mit fünf Prozent beim Karlsruher Maschinen- und Anlagenhersteller eingestiegen. Die Anteile am im MDax Börsen-Chart zeigen notierten Konzern habe der Investor in den vergangenen Wochen über die Börse zusammengekauft. "Die Erfahrungen mit Babcock Borsig haben ihn nicht abgeschreckt", so Elsässer weiter.

13.300 Mitarbeiter erwirtschafteten eine Milliarde Umsatz

Im ersten Halbjahr 2003 erlöste IWKA (13.353 Mitarbeiter) einen Umsatz von 1,05 Milliarden Euro (erstes Halbjahr 2002: 1,02 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis betrug im gleichen Zeitraum 29 Millionen Euro (erstes Halbjahr 2002: 22,6 Millionen Euro).

Nach der Bekanntgabe des Einstiegs von Wyser-Pratte stieg der Kurs der IWKA-Papiere schlagartig. Um 20.00 Uhr verzeichnete die Aktie ein Plus von 5,61 Prozent und notierte mit 15,43 Euro.

Trotz der heftigen Reaktion an der Börse und aufkeimender Zerschlagungsgerüchte blieb man bei IWKA gelassen. Man freue sich über einen großen Investor, sagte Kommunikationschef Gert Butter auf Nachfrage von manager-magazin.de am Dienstagabend. Eine offizielle Anzeige liege seinem Unternehmen aber noch nicht vor.

Wyser-Pratte wird sich einmischen

Auch Wyser-Pratte-Partner Elsässer sieht keinen Grund zur Hektik. Man werde in den kommenden Monaten Kontakt aufnehmen und sich kennen lernen. "Wyser-Pratte wird aber auch bei IWKA ein aktiver Aktionär sein", deutete Elsässer schon einmal an, dass der US-Investor sich wie damals bei Rheinmetall einmischen werde.

Als Grund für den Einstieg bei IWKA nannte Elsässer die komplexe aber werthaltige Konzernstruktur mit rund 100 Gesellschaften. Außerdem sei es möglich, einiges zu bewegen, da ein dominanter Großaktionär fehle.

Für Elsässer ist Wyser-Pratte mitnichten ein brutaler Unternehmenszerstörer. Zwar seien seine Investments nicht auf dreißig Jahre ausgerichtet, aber die jüngsten strategischen Entscheidungen bei Rheinmetall zum Beispiel entsprächen genau den Forderungen, für die der Amerikaner von der Eigner-Familie Röchling damals heftig kritisiert worden sei.

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