Mittwoch, 19. Dezember 2018

Beiersdorf Familie Claussen will verkaufen

2. Teil: Bürgermeister von Beust sieht Beiersdorf im Dax

Tchibo: "Kein weiterer Handlungsbedarf"

Der Kurs der im Index für mittelgroße Unternehmen MDax notierten Beiersdorf-Aktie lag am Freitag knapp unter 100 Euro und damit fast ein Viertel unterhalb dem von der Allianz beim Verkauf an das Konsortium erzielten Preis. Für die Familienstämme Claussen und Westberg - Nachfahren von zwei Nichten des kinderlos verstorbenen Firmengründers Oskar Troplowitz - würde dieser Aktienkurs bedeuten, dass sie beim Verkauf von fünf Prozent knapp 550 Millionen Euro erlösen könnten.

Ein Tchibo-Sprecher sagte, mit dem Abschluss mit der Allianz sei das Thema für den Kaffeespezialisten erledigt. "Wir sind soweit durch." Er wies darauf hin, dass Hamburgs Finanzsenator Wolfgang Peiner, der zusammen mit Wirtschaftssenator Gunnar Ulldal (beide CDU) die Verhandlungen des Konsortiums vermittelt hatte, auch mit Claussens in Kontakt gestanden habe. Peiner war für eine Stellungnahme bis zum Nachmittag nicht zu erreichen.

Bürgermeister von Beust sieht Beiersdorf im Dax

Die Hansestadt begründet den Anteilserwerb ihrer hundertprozentigen Beteiligungstochter HGV damit, dass Beiersdorf im Falle einer Übernahme durch einen ausländischen Konzern womöglich zerschlagen worden wäre und Hamburg dann auf jährliche Steuereinnahmen von 200 Millionen Euro verzichten müsste.

Der Geschäftsführer der HGV, Andreas Reuß, sagte Reuters: "Die HGV ist hinreichend kreditwürdig, um die Summe zu stemmen." Er zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass es gelingen werde, einen Teil der Beteiligung an Investoren weiter zu reichen.

Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust, der die Beteiligung der Stadt an einem privatwirtschaftlich geführten Konzern als "Ausnahme" bezeichnet hatte, brachte anlässlich des Beiersdorf-Deals eine - allerdings nicht mehr ganz junge - Kurs-Fantasie ins Spiel: "Unser Ziel ist es weiter, mit Beiersdorf den ersten Dax-Wert in Hamburg zu schaffen."

Von Jan Christoph Schwartz, Reuters

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