Mittwoch, 20. September 2017

Gesundheit Angst vor "blutiger Entlassung"

Die Gesundheitsreform verunsichert die Bürger. Doch damit nicht genug - laut einer Mummert-Studie droht vielen Krankenhäusern das Aus. Die Folgen sind längere Fahrten für die Patienten, womöglich aber auch mehr medizinische Qualität.

Hamburg - Viele Bürger stellen sich in diesen Tagen die Frage, welche Leistungen sie in Zukunft noch von ihrer Krankenkasse bezahlt bekommen und welche nur noch mit einer Zusatzversicherung finanzierbar sind.

  Spezialisten statt Generalisten:  Die Zeiten des Kreiskrankenhauses mit Vollversorgung scheinen zu Ende zu gehen
Spezialisten statt Generalisten: Die Zeiten des Kreiskrankenhauses mit Vollversorgung scheinen zu Ende zu gehen
Doch die Sorgen gehen weiter: Nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Mummert Consulting dürfen sich die Patienten darüberhinaus künftig auch noch Gedanken machen, wo sie die - eventuell von der Kasse gedeckte - mitunter lebensnotwendige Behandlung in Anspruch nehmen können.

Das deutsche Gesundheitswesen steht nämlich laut der zusammen mit dem F.A.Z.-Institut erstellten Studie vor einer Welle von Fusionen, Übernahmen und Kooperationen. Patienten müssten sich darauf einstellen, dass ihnen schon bald deutlich weniger Krankenkassen und Kliniken zur Verfügung stehen, so das Fazit des Branchenkompasses, der sich auf die Befragung von 100 Entscheidern in Krankenhäusern und bei Krankenkassen stützt.

Die Zahl der Krankenhausbetten sinkt stetig

Hinter dem Trend zu Fusionen und Kooperationen steckt vor allem der immense Kostendruck. Fast jeder zweite Gesundheitsmanager nennt die unsichere Finanzlage als sein größtes Problem. Gut ein Fünftel stöhnt zusätzlich über die mangelnde Planungssicherheit. Die Folge: Drei von vier Kliniken wollen Stellen streichen.

Der Konzentrationstrend im Gesundheitswesen bringt Schwung in eine Entwicklung, die schon im vergangenen Jahrzehnt begonnen hat. So ging zum Beispiel die Zahl der Kliniken zwischen 1990 und 1999 bereits um 195 Häuser oder acht Prozent zurück.

Die Bettenkapazität verringerte sich um 17,6 Prozent auf 565.268. Damit sank die Zahl der Betten pro 10.000 Einwohner von 87 auf knapp 69, obwohl die privaten Betreiber die Zahl ihrer Betten im selben Zeitraum von 23.000 auf 37.800 erhöht haben.

In unmittelbarer Zukunft wird die Zahl der Kliniken nach Ansicht von Mummert deutlich weiter sinken und die Konzentration bei den Krankenkassen erst richtig an Fahrt gewinnen. "In fünf bis sechs Jahren dürfte sich die Zahl der Krankenhausbetten noch einmal um ein Drittel verringern", glaubt Mummert-Beraterin Ines Gröner. Diesen Trend könnten auch die Versuche der Leistungsträger und Kliniken, ihre Finanzlage zu kontrollieren und zu verbessern, nicht aufhalten.

Marktanteil der Privatkliniken dürfte rasant steigen

Auf Grund ihrer auf Expansion ausgerichteten Investitionspolitik wird der Marktanteil der Privatkliniken rasant steigen. Sie planen bis 2005 gut sechs Prozent ihres Investitionsbudgets für Fusionen und Übernahmen ein.

Die Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft halten dafür mit zwei Prozent nur einen eher symbolischen Posten bereit. In der Folge dürfte der Privatisierungsgrad bei Kliniken bis 2020 von derzeit sieben auf 45 Prozent steigen, so die Mummert-Prognose.

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