Montag, 22. Oktober 2018

Tchibo Familie Herz geht getrennte Wege

Der jahrelange Familienzwist scheint beendet. Die Anteilseigner Günter und Daniela Herz sowie der mit ihnen verbundene Rechtsanwalt Otto Gellert scheiden aus dem Unternehmen aus.

Hamburg - Eine Hauptversammlung der Tchibo Holding AG beschloss am Montag in Hamburg, die Geschwister Günter und Daniela Herz sowie den ihnen verbundenen Wirtschaftsprüfer Otto Gellert für rund vier Milliarden Euro aus dem Unternehmen herauszukaufen.

 Objekt immerwährenden Tauziehens: Tchibo
Objekt immerwährenden Tauziehens: Tchibo
"Sie geben ihr Aktienpaket von 39,6 Prozent an die verbleibende Aktionärsgruppe um Michael Herz ab", heißt es in einer Tchibo-Mitteilung. Das Unternehmen mit einem Umsatz von rund drei Milliarden Euro und 10.000 Mitarbeitern gehört damit künftig den Brüdern Michael, Wolfgang und Joachim Herz sowie deren Mutter Ingeburg.

Der Trennung waren jahrelange Familienstreitigkeiten vorausgegangen. Günter Herz hat das Unternehmen nach dem Tod des Unternehmensgründers Max Herz jahrzehntelang erfolgreich geführt und mit seinem originellen Geschäftsmodell - dem Verkauf von Kaffee und Gebrauchsartikeln - in eine sehr starke Position gebracht.

Auch die Beteiligungen Beiersdorf Börsen-Chart zeigen und Reemtsma entwickelten sich positiv. Von Reemtsma trennte sich Tchibo jedoch, weil die weitere Expansion des Unternehmens hohe Mittel erfordert hätte. Aus dem Verkaufserlös von rund sechs Milliarden Euro wird nun die Abfindung für Günter und Daniela bezahlt.

20 Prozent an Beiersdorf kosten rund zwei Milliarden Euro

Das Unternehmen werde die Geschäfte nun weiter vorantreiben, heißt es in der Mitteilung. "Die heute getroffene Regelung erlaubt uns auch in der Zukunft, die bisher in der Vergangenheit verfolgten Ziele weiter zu entwickeln", sagte der Vorstandsvorsitzende der Tchibo Holding, Dieter Ammer. Das lässt sich als Hinweis darauf verstehen, dass Tchibo auch weiter an dem Ziel festhält, seinen Beiersdorf-Anteil von gegenwärtig 30 auf 50 Prozent aufzustocken. Dazu wären rund zwei Milliarden Euro erforderlich.

Die Gewerkschaft Verdi berichtete aus einer Aufsichtsratssitzung nach der Hauptversammlung, die künftigen Eigentümer wollten an dem Beiersdorf-Engagement festhalten, weitere Anteile dazukaufen und die Tchibo Holding langfristig mit wenigstens zwei Standbeinen erhalten. Da Michael Herz diese Punkte zugesagt habe und zudem das Risiko ständiger Auseinandersetzungen im Aktionärskreis nun gebannt sei, hätten die Arbeitnehmer die Veränderungen zustimmend zur Kenntnis genommen.

Der Aufsichtsrat wählte Reinhard Pöllath als Nachfolger von Jens Odewald zu seinem neuen Vorsitzenden. Odewald bleibt als einfaches Mitglied in dem Gremium.

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