Mittwoch, 15. August 2018

Interview "Wir wollen keine Spaßkasse sein"

Die Bundes-Innungskrankenkasse Gesundheit (BIG) ist die einzige Direktkrankenkasse Deutschlands. Sie verzichtet ganz auf Geschäftsstellen und Außendienstmitarbeiter. manager-magazin.de sprach mit Vorstandschef Frank Neumann über Beitragssätze, telefonische Erreichbarkeiten und die Gesundheitsreform.

mm.de:

Herr Neumann, als Direktkrankenkasse verzichtet Ihr Unternehmen ganz auf Geschäftsstellen und Außendienstmitarbeiter. Und Ihre Verwaltungskosten liegen mit 2,35 Prozent deutlich unter denen anderer Kassen. Ihr Beitragssatz liegt derzeit bei 13,1 Prozent. Warum geht es nicht günstiger?

"Die Verwaltungsstrukturen der Kassen müssen dringend vereinfacht werden."
BIG-Chef Frank Neumann
Neumann: Es ist richtig, dass wir in der Tat auf moderne Kommunikationsmedien wie Internet, Fax und E-Mail statt auf Geschäftsstellen und Außendienstmitarbeiter setzen. Nach dem Prinzip "7 Tage, 24 Stunden" sind wir ständig für die Versicherten erreichbar.

Wir haben seit unserer Gründung 1996 immer auf die Strategie gesetzt, nicht zu den Billigsten gehören zu wollen. Sechs Jahre lang lag unser Beitragssatz bei 12,1 Prozent; andere Kassen haben in diesem Zeitraum Sätze verlangt, die bei 11,7 Prozent oder leicht darüber lagen.

Solche Angebote verlocken natürlich den einen oder anderen Versicherten zum Wechsel, aber Beitragshopper sind nicht unsere Zielgruppe. Wir wollen nicht die "Spaßkasse" sein. Unser Ziel ist es, im unteren Preisdrittel platziert zu sein. Wir machen keine Schulden, setzen auf ein langfristiges Finanzierungskonzept und planen vorausschauend.

mm.de: Es gibt ja immer wieder Klagen, dass Versicherte in der Warteschleife hängen bleiben, gerade bei einer akuten Erkrankung ein echtes Ärgernis. Wie ist das bei Ihnen?

Neumann: Die Erreichbarkeit ist permanent gegeben, bei besetzten Anschlüssen erfolgt eine Weiterleitung, keine Warteschleife. Probieren Sie es aus!

mm.de: Es gibt Kritiker, die sagen, dass Sie nur deshalb einen relativ niedrigen Beitragssatz anbieten können, weil Sie in der Mehrheit junge und gesunde Mitglieder haben.

Neumann: Der Großteil unserer Versicherten ist zwischen 20 und 50 Jahre alt. Gerade bei der Gruppe der Rentner haben wir in den letzten Jahren ein enormes Wachstum gehabt. Das bestätigt unsere langfristige Beitragssatzstrategie.

Im Übrigen geht die Gleichung "Jung gleich gesund" nicht wirklich auf. Es gibt auch genügend Krankheitsbilder bei jungen Menschen, nehmen wir nur orthopädische Leiden.

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